Du möchtest deine Leser bewegen, ganz meinem Claim „Sachbücher, die bewegen“ entsprechend? Dann musst du lebendig schreiben. Wie das geht, erfährst du hier.
Texte lebendig zu schreiben – egal, ob für dein Blog, einen Fachartikel oder dein Sachbuch – war immer schon wichtig. Für dein Image, aber auch für dein Standing als Expertin. Und auch, weil lebendige Texte in der Regel verständlicher sind und der Sachinput besser aufgenommen werden kann.
In Zeiten von KI ist es jedoch für uns Autorinnen und Autoren überlebenswichtig geworden, uns von 08/15-Texten abzuheben. Wir müssen lebendig, emotional, unterhaltsam, einprägsam zu schreiben. Denn Bücher, die die KI schreibt, sind unter Umständen inhaltlich korrekt – stilistisch sind sie jedoch standardisiert, glatt, unelegant. Maschinen denken nun mal nicht emotional. Sie denken technisch: Nach grammatischen Regeln und nach Wahrscheinlichkeiten reihen sie Wörter aneinander.
In Zeiten von KI ist es für uns Autorinnen und Autoren überlebenswichtig geworden, uns von 08/15-Texten abzuheben. Wir müssen lebendig, emotional, unterhaltsam, einprägsam zu schreiben.
Willst du also, dass dein Buch erfolgreich wird und nicht nach langweiligem Lehrbuch klingt? Dann kümmere dich nicht nur um eine Marktlücke, eine zündende Idee, um fundierte Inhalte. Sondern darüber hinaus auch noch um ein Manuskript, das inspiriert, das beim Lesen Spaß macht. Um lebendige Texte in deinem Sachbuch, über die du als Autorin, als Autor sichtbar und greifbarer wirst.
Ein paar Basics: Wort – Satz – Absatz – Kapitel
Zuerst einmal das Pflichtprogramm im Überblick. Es ist klar, dass ich das Einmaleins guter Texte nicht in diesen einen Artikel bekomme. Aber du möchtest zumindest eine Idee dessen bekommen, worauf man schauen sollte, nicht wahr?
Fangen wir beim Wort an
Einer der häufigsten Schwächen bei Sachtexten sind Substantivierungen. Von Substantivierungen spricht man, wenn ein Zeitwort zu einem Hauptwort gemacht wird. Da wird nicht spazieren gegangen, sondern ein Spaziergang gemacht. Klingt gewichtiger – doch der Text wird so schnell zum Schwergewicht. Jedes substantivierte Verb (Spaziergang) braucht nämlich ein zusätzliches Verb (gemacht), und das verlängert den Text bei gleichem Inhalt.
Abstraktivitis ist mein zweithäufigster Kandidat. Da werden Maßnahmen oder Aktivitäten ergriffen, anstatt die konkreten Maßnahmen oder die Aktivität zu nennen. Oder man will ein bisschen die Szene beschreiben (wegen des Storytelling, s. u.): „Links und rechts des Portals waren Pflanzen gesetzt …“ Pflanzen sind ein abstrakter Überbegriff. Wie viel lebendiger wäre doch: „Links und rechts sah ich halb verdorrte Thujen, durch die sich blühende Forsythien zwängten …“ Da hat man doch gleich ein lebendiges Bild vor Augen, nicht wahr?
Muss ich Fachjargon erwähnen? Bitte verwende ihn nur, wenn dein Publikum garantiert damit vertraut ist. Sonst lass es besser.
Und noch einen vierten Punkt gebe ich dir mit für deinen Text: Lass die Adjektive sein. Gefühlt 90 Prozent aller Adjektive braucht ein Text nicht, er macht ihn nicht lebendiger, sondern im Gegenteil, er wird steifer. Die „kluge Frau“ ist nur eine Behauptung. Lass die Frau besser durch eine Handlung beweisen, dass sie klug ist. „Show don’t tell“ nennt man das, vielleicht hast du davon schon gehört.

Konstruiere deine Sätze so, dass sie sofort verstanden werden
Am berüchtigsten sind wohl die Schachtelsätze. Das sind Sätze, in die du, wie ich an diesem Satz hier, den du gerade liest, demonstriere, allen möglichen, und sei es noch so nebensächlicher, zusätzlichen Kram hineinquetschst. Wir verstehen uns, oder, dass solche Sätze ein Grauen sind.
Schachtelsätze sind immer lang und unverständlich, aber nicht jeder lange Satz ist verschachtelt. Und es ist auch nicht jeder kurze Satz leicht verständlich. Es kommt vielmehr auf die grammatische Konstruktion des Satzes an. Weil ich schon einmal Betrachtungen und Tipps zusammengefasst habe: Bitte lies hier weiter.
Bring Luft in deinen Text mit sinnvollen Absätzen
Kennst du Texte, die wie eine Betonwüste daherkommen? Von oben bis unten ohne Punkt und Komma, sodass einem schon beim Anblick die Luft wegbleibt und einem die Lust am Lesen vergeht? Also ich kenne sie zur Genüge. Das mit dem „Luft wegbleiben“ meine ich übrigens wörtlich: Bei jedem Absatz macht man beim Lesen eine kurze Pause. Man darf kurz verschnaufen, bevor man sich dem nächsten Gedanken zuwendet. Fehlen Absätze, fehlt auch das Luftholen.
Anders herum ist es nicht viel besser, auch wenn das nicht oft vorkommt: Ein Text der vor lauter Absätzen richtig zerklüftet wirkt, ist genauso unsympathisch (auf den ersten Blick) und unverständlich (auf den zweiten Blick). Der Sinn von Absätzen ist schließlich der, dem Leser zu helfen, Gedankengänge als Happen zu erkennen. Daher meine Empfehlung für dich:
Grundsatz 1: Neuer Gedanke = neuer Absatz. Wenn ein Absatz trotzdem zu lange wird, bedeutet das entweder, dass du zu weit ausgeholt hast, oder dass du übersehen hast, dass du irgendwo in der Mitte unbemerkt zu einem neuen Gedanken übergegangen bist.
Grundsatz 2: Beginne jeden Absatz bitte mit dem Wesentlichen. Idealerweise steht das Wichtigste in den ersten zwei Zeilen. Erst danach gehst du in die nötigen Details. Dieser Grundsatz hilft dir übrigens dabei zu entscheiden, wo ein neuer Absatz hingehört: Wenn du einen Satz schreibst, dessen Botschaft wichtig ist, dann gehört da ein Absatz her.
Schmackhafte Appetizer für deine Kapitel
Im Grunde ist die Natur eines Kapitels bzw. Unterkapitels ähnlich wie die eines Absatzes, nur größer gedacht. Über die Gestaltung von Kapiteln kommen wir noch zu sprechen, was aber hierher gehört, weil unbedingt notwendig:
Auch ein Kapitel solltest du so beginnen, dass deine Leserinnen und Leser es schmackhaft finden und gerne weiterlesen. Durchaus auch, indem du mit etwas Wesentlichem beginnst. Allerdings geht das nicht immer so einfach. Einladend und neugierig machend sollte dein Kapitelanfang aber trotzdem sein:
- indem du mit einem Beispiel beginnst
- oder mit einer Szene aus deinem Berufsalltag,
- einer unterhaltsamen Anekdote
- oder mit etwas, das du gelesen hast und dich amüsiert/geärgert/frustriert hat oder dem du deine Ansicht entgegenstellen willst. Auch ein Zitat, dessen Meinung du NICHT teilst, kann spannend sein.
Bücher, die die KI schreibt, sind unter Umständen inhaltlich korrekt – stilistisch sind sie jedoch standardisiert, glatt, unelegant.
Die Kür: Das kreative Spiel mit den Worten
Während die Basics guter Schriftsprache relativ leicht lernbar sind, ist das bei der Kür etwas ganz anderes. Das Spiel mit Worten braucht einiges an Übung, mitunter auch Mut. Ein Tennisspiel gewinnst du ja auch erst, nachdem du lange genug trainiert hast.
Was hätte ich da in meinem Werkzeugkoffer? Mal schauen … Da wäre das Arbeiten mit Überraschungen, Kontrasten, dem Einbauen von Vergleichen, Metaphern und Sprachbildern. Setze Pointen und platziere Aussagen zwischen den Zeilen. Variiere das Tempo innerhalb eines Textes mithilfe von Satz- und Wort- und Absatzlängen. Erzeuge Sprachrhythmus.
Und meiner Erfahrung nach für viele Autorinnen und Autoren die schwierigste Übung: Kürze deinen Text, kille your darlings, verdichte, um Prägnanz zu erzeugen.
Über die einzelnen Stilmittel werde ich mal zu gegebener Zeit in einem eigenen Artikel weiter ausholen. Was mir in Sachen lebendiger, bewegender Sachbücher aber besonders bedeutsam erscheint: Storytelling, deine voice und eine professionelle Leserführung.

Lebendige Texte durch Storytelling
Du musst nicht gleich einen Sachbuchroman oder ein erzählendes Sachbuch schreiben.*) Doch jedes Sachbuch, ob Ratgeber oder Impulsgeber, braucht Storytelling. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass auch ein Fachbuch (also ein Sachbuch für ein Fachpublikum) ein wenig Storytelling gut vertragen würde. Dann wäre es weniger sperrig und leichter verständlich. Aber gut, just sayin’. Es soll ja Professoren aka Fachbuchautoren geben, die lieber ihre Leserschaft aka Studenten mit schwer verdaulichen Texten quälen, als dass sie sich einen Zacken aus der Krone brechen lassen.
Was bedeutet das für dich als Autorin, die du ein lebendiges Sachbuch schreiben willst?
- Baue Geschichten ein: persönliche Erfahrungen und Erlebnisse, Anekdoten, Dialoge, bei einem Fachbuch auch Fallstudien. Ein Trick: Wechsle dabei ins Präsens, dadurch wird die Geschichte unmittelbarer spürbar und noch lebendiger.
- Verbinde Sachinformationen mit Emotionen – deinen eigenen oder den Emotionen, die du bei anderen beobachtest.
- Zeige Konflikte und Fehler auf, durchaus auch deine eigenen. Wir lernen doch viel lieber von Menschen, die auch mal in der Bredouille waren, als von perfekten Avataren, oder?
*) Ein Sachbuchroman ist ein Roman mit einem einzigen Plot, in dem das Sachthema Stück für Stück ausgebreitet wird. Ein erzählendes Sachbuch kann hingegen mehrere Geschichten haben, also mehrere Plots – beispielsweise für jedes Kapitel einen.
Unser Ziel ist, die Leser mit dem ersten Kapitel einzufangen und sie bis zur letzten Seite nicht mehr loszulassen.
The voice: Entwickle deine Schreibstimme
Jetzt ist dein Typ gefragt. Deine Persönlichkeit. Wie wirst du wahrgenommen bzw. wie möchtest du wahrgenommen werden? Wie die toughe Business-Frau oder zwar Business-Frau, aber bewusst ein wenig chaotisch? Als Kreative in einer Business-Welt? Mit Business-Fokus in einer kreativen Welt? Bist du eher unterstützend, liebevoll, verständnisvoll oder mehr streng, zielfokussiert, diszipliniert? Irgendwas dazwischen?
Deinen Typus zu erkennen ist die Basis, auf der du deine voice aufbauen kannst. Oben haben wir bereits über die Basics lebendiger Texte gesprochen. Deine Schreibstimme sollte das unbedingt berücksichtigen. Die kann nüchtern oder humorvoll daherkommen, eloquent oder flapsig. Hauptsache, sie spiegelt deine Persönlichkeit wider.
Deine voice wird so zur schriftlichen Trägerin deiner Persönlichkeit. Als deine Leserinnen lernen wir nicht nur dein Wissen und deine Erfahrungen kennen, sondern auch die Person, die dahintersteht.
Lebendigkeit durch eine gute Inhaltsstruktur
Last not least liegt die Kunst eines lebendigen Sachbuchs in einer guten Gliederung. Unser Ziel ist, die Leser mit dem ersten Kapitel einzufangen und sie bis zur letzten Seite nicht mehr loszulassen. Dann hast du dein Publikum nicht nur im Kopf, sondern auch in der Seele berührt. Ein paar Hinweise für dich:
- Dein Publikum. Viele glauben, dass es allein um ihr Wissen ginge. Dementsprechend schreiben sie ihr Manuskript aus ihrer Expertensicht. Raus kommen meist recht langweilige Bücher, um ehrlich zu sein. Lebendig wird ein Sachbuch für eine Leserin erst, wenn der Inhalt sich auf ihr Leben bezieht. Deshalb verwende ich mit meinen Autoren auch recht viel Zeit für das Kennenlernen der Zielgruppe.
- Der Aufhänger. Zum einen wählst du ihn so, dass er dein Publikum anspricht. Zum andern: Entsprechend deiner Persönlichkeit wird dein Aufhänger fürs Buch unterschiedlich ausfallen. Angenommen, du schreibst ein Yoga-Buch. Ich hätte da zwei Aufhänger zur Wahl: „In 5 Tagen zum Business-Yoga-Erfolg“ oder „10 inspirierende Asanas für mehr Wohlgefühl im Job“. In welche Richtung zieht es dich eher? Du siehst: Gleiches Thema, gleiche Zielgruppe, aber der Zugang ist unterschiedlich.
- Sinnvolle Häppchen. Was brauchen deine Leserinnen, um sich vor allem am Anfang gut verstanden zu fühlen? Um zu wissen, dass sie bei dir richtig sind? Welche Häppchen sind passend für deine Zielgruppe? Das richtige erste Kapitel ist für Leser oft eine ganz andere als für dich aus Expertensicht.
- Leserführung. Wähle aus den möglichen Elementen der Leserführung jene aus, die dein Publikum am meisten anspricht. Infokästchen, To-do-Listen, Zusammenfassungen oder auch einfach nur einen Teaser am Kapitelanfang und Grafiken? Wie wäre es mit verspielten Icons für die einzelnen Elemente? Oder magst du es lieber schlicht?
Willst du also, dass dein Buch erfolgreich wird? Dann kümmere dich nicht nur um eine zündende Idee und fundierte Inhalte, sondern auch um ein Manuskript, das inspiriert und beim Lesen Spaß macht.
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Sachbücher, die bewegen – das ist mir ein großes Anliegen: Denn wofür sollen Bücher sonst da sein, als die Leser zum Denken, Fühlen oder Handeln zu bewegen?
Ich bin Autorencoach und habe selbst schon viele Bücher geschrieben – viele in meiner Zeit als Ghostwriter, doch auch schon einige unter eigenem Namen. Außerdem schreibe ich regelmäßig im onlineMagazin sinnundstift darüber, wie man das Leben sinnvoller und damit bunter gestalten kann. Egal ob hier im Autorenblog oder drüben bei sinnundstift – ich freue mich sehr, wenn du dich als Abonnent*in einträgst und bei mir mitliest.