Wie finde ich einen passenden Verlag?

Wie finde ich einen passenden Verlag?

Kategorie: Publizieren

Verlage finden ist nicht schwer. Den richtigen zu finden, das ist die Challenge. Ein paar hilfreiche Anregungen für eine aussichtsreiche Suche.

Den passenden Verlag für dein Sachbuch zu finden ist ähnlich wie das Osternest-Suchen: Es bringt nichts, wenn du wahllos jeden Grashalm umdrehst und damit unweigerlich an den unrealistischsten Ecken suchst. Viel besser ist, du überlegst vorher: Wo ist es am sinnvollsten, zuerst zu suchen? Der Osterhase, was ist das denn für einer? Eher der „draußen unter der Hecke“-Typ oder eher der „drinnen hinter dem Vorhang“-Typ? Liebt er das Extravagante und versteckt seine Eier an möglichst ungewöhnlichen Orten oder ist er eher pragmatisch und macht es dir leicht?

Jeder Verlag hat eine andere Ausrichtung

Jedenfalls, wenn du für dein Sachbuch einen Verlag finden möchtest, solltest du ebenfalls nicht wahllos irgendwelche Verlage anschreiben, die dir gerade in den Sinn kommen. Von den weit über 20.000 Verlagen im deutschsprachigen Raum hat jeder – wie jedes andere Unternehmen auch – einen eigenen USP, also einen speziell ausgerichteten Geschäftsgegenstand, einen eigenen Stil und eine klar umrissene Zielgruppe.

Es gibt Verlage, die sich auf spezielle Themen spezialisiert haben wie beispielsweise Springer Gabler, die weltweit der zweitgrößte Verlag im Bereich Wissenschaft, Technik und Medizin sind, oder der Carl Auer Verlag, der ausschließlich Sachbücher mit systemtheoretischem Hintergrund publiziert. Campus steht für Management-Literatur und Herder für religiöse Bücher. Allerdings ist das so einfach auch wieder nicht. Springer hat nicht nur Fachbücher in diesen Themenbereichen, sondern auch ein Ratgeberprogramm, in das sie sogar mein Buch über das Sachbuchschreiben unterbringen wollten, obwohl es für sie ein Nischenprodukt ist. Herder ist zwar ein Sachbuchverlag, hat aber auch leicht lesbare Sachbücher für eine spezielle Lesergruppe: Kinder!

Ein weiteres für dich entscheidendes Unterscheidungsmerkmal, das meist eher subtil daherkommt: der Stil der Bücher, die Grundhaltung, die alle Publikationen umklammert. Sind die Bücher eher extravagant oder kommen sie profan daher? Eher elegant oder schmucklos? Der Stil manifestiert sich im Cover und im Layout der Bücher oder auch in den Titelformulierungen – sind sie eher humorvoll, provokant oder trocken? – und dementsprechend auch in der Art, wie das Manuskript geschrieben ist. Wenn du also in deinem Buch einen provokanten Blick auf Führungskräftekompetenzen werfen möchtest, wirst du bei einem eher nüchtern gehaltenen Verlag keine Punkte sammeln können. Frage dich selbst: Bin ich eher auf der eleganten Seite oder mag ich es lieber hemdsärmelig? Packe ich mein Sachthema gern in witzige Geschichten oder schreibe ich lieber geradlinig auf den Punkt hin? Dementsprechend solltest du den Verlag wählen.

Triff deine enge Auswahl

Alles also nicht so ganz einfach. Trotzdem: Es gibt ein paar einfache Tricks, wie du eine enge Auswahl treffen kannst, damit du schnell ins Handeln kommst und die Suche nicht ewig vor dir herschiebst:

Tipp Nr. 1: Wirf einen Blick in deine eigenen Bücherregale.

Für dein Buch hast du bestimmt schon recherchiert und zum einen Fachliteratur besorgt, zum anderen Konkurrenzwerke gelesen. Bei welchen Verlagen sind diese Bücher erschienen? Notiere sie dir.

Tipp Nr. 2: Ein Besuch in einer größeren Buchhandlung

Gehe in die Buchhandlung und wirf einen Blick in jene Ecke, in der du dein Buch einmal zu finden hoffst. Welche Verlage liegen dort auf? Selbstverständlich sind auch Online-Buchhandlungen eine wunderbare Recherchequelle.

Tipp Nr. 3: Versteife dich nicht nur auf die großen, bekannten Verlage.

Große Verlage werden mit Exposés überhäuft. Es kann eine gute Strategie für dich sein, wenn du dir eine Handvoll Indie-Verlage suchst (also Verlage, die nicht in einen Konzern eingebunden, sondern unabhängig – eben „independent“ – sind).

Tipp Nr. 4: Besuche nun die Verlags-Websites.

Mit deiner Liste klapperst du nun eine Verlags-Website nach der anderen ab und schaust dir das Verlagsprogramm und die bereits publizierten Bücher genau an. Passt dein Buch thematisch ins Programm? Passt dein Stil dazu? Wirf unbedingt auch einen Blick auf die „über uns“-Seite, in der die Grundausrichtung oft kurz und knapp formuliert ist. Wie authentisch würde es sich anfühlen, dein Buch unter den Büchern dieses Verlages zu finden?

Tipp Nr. 5: Nimm 5 bis 10 Verlage in die engere Auswahl.

Nun priorisiere die Verlage auf deiner Liste. Welche wären deine Favoriten? Welche kämen unter Umständen auch noch infrage?

Dann bist du bereit, diese Verlage anzuschreiben. Was du dafür brauchst, ist ein Exposé und ein Probetext. Und meinen nächsten Blogbeitrag, der dir Anregungen gibt, wie du Verlage erfolgversprechend ansprichst (bzw. anschreibst). Zeit genug, um genau diese beiden Dokumente zu verfassen 😉

Zuletzt möchte ich noch auf ein wenig erfreuliches Problem hinweisen: die Druckkostenzuschussverlage. Sie tun nur so, als wären sie ein „echter“ Verlag, in Wahrheit haben sie ganz anderes im Sinn. Sie wollen nicht an der Veröffentlichung deines Buchs verdienen. Sondern sie wollen an dir als Autor/Autorin verdienen – und es ist ihnen egal, ob dein Buch sich dann verkauft. Das kann also nicht in deinem Sinn sein. Wie du diese schwarzen Schafe der Verlagsbranche erkennst, hat meine Kollegin Cordula Natusch in einer kleinen Blogreihe genau erläutert, lies dort weiter (und lass sie schön von mir grüßen 😉 )

Verlage richtig anschreiben

Verlagsvertrag in der Tasche – und nun?

 

 

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