Vom selbstbestimmten Autorenleben

Vom selbstbestimmten Autorenleben

Kategorie: Danielas Melange

Tagespläne sind eine sinnvolle Sache, um beim Buchschreiben gut voranzukommen. Sofern man konsequent daran festhält und sich nicht verführen lässt.

Eigentlich wollte ich heute gleich nach dem Frühstück loslegen. Nachdem ich endlich – endlich!!! – eine Struktur für mein neues Sachbuch gefunden habe, bin ich richtig heiß aufs Recherchieren und Schreiben. Ich sitze mit meinem Herzblatt also gemütlich beim Frühstück, blättere verschlafen in der Zeitung und stimme mich langsam auf mein Vorhaben ein, da murmelt jemand neben mir:

„Jessas, ganz vergessen! Wir haben einen Termin zum Reifenumstecken!“

Ich grunze ein recht desinteressiertes „Mmmh“ und lese weiter. Ich kann es nicht ausstehen, wenn ich bei der Frühlektüre gestört werde.

„Da sollten wir in einer knappen Stunde in der Werkstatt sein“, stört mein Herzblatt unbeirrt weiter. Typisch. So isser. Mein Seelenheil ist ihm völlig wurscht.

Ich tu so, als würde ich weiterlesen, was ich aber selbstverständlich nicht mehr tun kann, weil ich nach 20 Jahren Herzblattbeziehung weiß: Am Ende werde ich wieder einmal keine Chance auf mein geruhsames Frühstück haben. Geschweige denn darauf, meinen Tagesplan ungestört umzusetzen.

„In einer Viertelstunde müssen wir los“, höre ich weiter, und ich verstehe den Subtext: Heb deinen Po und mach dich fertig, anstatt hier noch weiter so zu tun, als würde dich das alles nix angehen. Ich werfe ihm über den Zeitungsrand einen Blick zu – du weißt schon, eine Augenbraue hochgezogen, Marke Vernichtung, und dann ein ergebenes Seufzen. „Aber den Wocheneinkauf heute übernimmst du alleine, ja?“

Eine halbe Stunde später stehen wir mit beiden Autos vor der Werkstatt, die Gummis wurden gewechselt und ich schicke mich an, ins Auto zu steigen und meinem Buch die Ehre zu erweisen. Na gut, denke ich, halb so schlimm. Werde ich eben eineinhalb Stunden später mit dem Arbeiten beginnen.

„Aber wenn du mitfährst zum Einkauf“, sinniert das Herzblatt laut und schaut treuherzig, „dann könnten wir beim Heimfahren auch gleich in der Gärtnerei vorbeifahren. Du wolltest doch Blümchen für den Küchentisch haben, oder?“

Er weiß ganz genau, wie er das einfädeln muss, um mich zu ködern. Ich hasse es, Lebensmittel einzukaufen. Aber für ein paar hübsche Blümchen würde ich sogar drei Supermärkte über mich ergehen lassen. Kurz schwanke ich – von wegen Buch und so – und dann lasse ich mein Auto vor der Werkstatt stehen und wir fahren los.

Als ich dann endlich am Schreibtisch sitze, ist es früher Nachmittag. Dass wir nicht nur in einer, sondern in zwei Gärtnereien waren, weil es bei der einen nichts gab, das meinem Küchentischschönheitsideal entsprach, und dass wir nach dem Einkauf Hunger hatten und erst Mittagessen mussten, muss ich nicht extra erwähnen, oder?

So ist es, das Autorenleben. Genialstens frei und selbstbestimmt darf man tun und schreiben, was und wann man will. Wait a minute … selbstbestimmt? Nun ja.

Und wie ist das bei dir so?

5 Comments

    • 😀 Womit wirst du so geködert, liebe Henrike?

  1. Haha, liebe Daniela, so ähnlich gehts mir beim Bloggen fürs eigene Blog. Dabei erzähle ich meinen Kund*innen, wie wichtig es ist, regelmäßig Content zu produzieren.
    Womit ich mich ablenken lasse? Mit Sonnenstrahlen, hellblauem Himmel und sehr gut bezahlte Auftragsarbeit.

    Frohes Schaffen und herzliche Grüße nach Wien,

    Ulrike

    • Liebe Ulrike, oh ja, in Sachen Kund*innenberatung geht es mir genauso 😀 Deshalb heißt es ja auch: Nur weil ich Schreibprofi bin, heißt das nicht, dass ich keine Probleme beim Schreiben habe. Das heißt nur, dass ich weiß, wie ich damit gut umgehen kann.

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