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Schreiben zur Weihnachtszeit

Schreiben zur Weihnachtszeit

Kategorie: Schreibhandwerk

7 Anregungen für ein „echtes“ Autorenleben und 1 Richtigstellung: Die Muse kommt auch in den Ferien nicht von alleine.

Viele Autorinnen und Autoren, die ich kenne und mit denen ich zusammenarbeite, haben für die kommenden Weihnachtsferien ein Ziel vor Augen: endlich ein gutes Stück am Buch vorankommen. Drängt sich ja auch auf, dieser Wunsch, wo man sich schon die ganze Zeit neben Beruf und Familie jedes Minütchen abgeknapst hat und nie so weit gekommen ist, wie man sich das gewünscht hat. Denn zwischen Weihnachten und den Heiligen Drei Königen lockt eine gähnende Leere, eine wunderbare Leere!

Während andere irgendwo auf Urlaub fahren oder vom vielen Bauchvollschlagen bewegungslos auf der Couch liegen, da könnten Sie doch endlich einen Riesensprung vorankommen bei Ihrem Sachbuch! Vielleicht, ja, vielleicht erleben Sie ja sogar so etwas wie ein „echtes“ Autorenleben – also so, wie die hauptberuflichen Autoren halt so den Tag verbringen: den Musenkuss erwarten und schreiben und ansonsten keine Verpflichtungen haben.

Es ist auch ein tolles Privileg, sich eine Zeit lang sich ungestört nur diesem einen Schreibprojekt widmen zu können. Allerdings – das höre und erlebe ich auch immer wieder – erfüllt sich diese träumerische Vorstellung meistens nicht. Am 6. Jänner ist das Manuskript keinen Deut weiter gewachsen und man ist enttäuscht von sich selbst. Da dachte ich, Sie können vielleicht ein paar Anregungen brauchen.

Warten auf den Musenkuss?

Vergessen Sie’s. Die Muse will umworben werden und sie braucht eine gut sichtbare Landebahn in Form von – und jetzt halten Sie sich an! – Disziplin, Organisation und Ritualen. Ja genau. Oder haben Sie tatsächlich geglaubt, erfolgreiche Schriftsteller hätten einen einfachen Job? Also … natürlich gibt es sie, die Künstler, die ganz den bohemian way of life leben. James Joyce zum Beispiel, würde ich sagen. Er war talentiert, aber bestimmt nicht diszipliniert. Dennoch hatte er Rituale: Er schlief sich seinen Rausch aus, frühstückte spät, verscheuchte danach möglicherweise ein paar Geldeintreiber, spielte ein bisschen Klavier und schrieb schließlich am Nachmittag. Am Abend fand man ihn mit Freunden wieder in der Kneipe.

Da war Jean-Paul Sartre schon viel disziplinierter: „Man kann auch ohne allzu viel Arbeit produktiv sein“, sagte er. „Drei Stunden am Vormittag, drei Stunden abends. Eine andere Regel habe ich nicht.“ Oder Simone de Beauvoir: „Zuerst trinke ich einen Tee, gegen zehn setze ich mich an den Schreibtisch und arbeite bis um eins. Dann treffe ich mich mit Freunden und arbeite danach weiter, etwa von fünf bis neun.“ *) Das hört sich alles nach einem klaren Plan an, oder? So sollten auch Sie es machen.

7 Anregungen für ein „echtes“ Autorenleben

1. Realistisches Ziel setzen
Nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Bei so viel freier Ferienzeit, die vor einem liegt, ist man schnell geneigt, sich zu überschätzen. Denn Sie werden in den zwei Wochen nicht ausschließlich am Buch arbeiten, sondern schon auch ein bisschen nichts tun. Das hoffe ich zumindest! Denn sonst sind Sie am ersten Arbeitstag nach Ihrem Urlaub fix und foxi.
Auch wenn das ein alter Hut ist: Vereinbaren Sie mit sich selbst smarte Ziele. Sie wissen schon, spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch, terminisiert. Also: „Bis 6.1. schreibe ich 4 Kapitel quick & dirty“ oder „Bis 31.12. schließe ich die Recherchephase ab, sodass ich bis 6.1. mein Sachbuch konzipieren kann.“ oder „Ich schreibe bis 5.1. das Probekapitel verlagsfertig.“

2. Ihrem Hirn Ferien gönnen
Es ist super, wenn Ihre schreiberischen Ambitionen groß sind. Trotzdem: Gönnen Sie sich genug Zeit für Ihre Familie, für Freunde, für Sie selbst. Vermutlich hatten Sie eine anstrengende Adventzeit, also brauchen Sie auch Erholung. Vor allem Ihr Hirn braucht dringend eine Pause, bevor es bereit ist, Ihnen beim Schreiben wieder zu Diensten zu sein. Schreibarbeit ist schließlich in erster Linie Denkarbeit!

3. Schreibzeit planen
Überschlagen Sie realistisch, an wie vielen Tagen Sie wie viele Stunden Schreibzeit haben können, und vereinbaren Sie sie fix mit sich selbst. Wie viele sind es tatsächlich, abzüglich Feiertagen und Wochenende? Und wie viele Stunden schaffen Sie tatsächlich am Stück zu schreiben?

4. Pausen einhalten
Vergessen Sie nicht, dass Schreiben eine anstrengende Tätigkeit ist, nicht nur für den Geist und Ihre Psyche, sondern auch für Ihren Körper. Stundenlanges Sitzen rächt sich schnell durch Nacken-, Schulter-, Rücken- oder Knieschmerzen. Machen Sie also Pausen: während des Tages nach jeweils ein oder zwei Stunden und zusätzlich nach drei Tagen einen Tag – oder wie immer es Ihr Körper braucht.

5. Auf den Biorhythmus achten
Organisieren Sie Ihre Tagesabläufe so, dass Sie auch wirklich schreiben. Bei mir ist es so, dass ich idealerweise nach dem Frühstück Sport mache und danach bis über die Mittagszeit hinaus schreibe. Andere Aufgaben hebe ich mir für den späteren Nachmittag auf. Würde ich es umgekehrt machen, wäre die Gefahr zu groß, dass ich „das auch noch“ und „ach, dies auch noch schnell“ erledige – und futsch ist die Schreibzeit. Vielleicht ist es bei Ihnen genau umgekehrt – oder Sie schreiben am liebsten noch vor dem Frühstück oder erst nach dem Abendessen, weil Sie da die meiste Ruhe vor Störenfrieden haben.

6. Familie einbinden
Sagen Sie Ihrer Familie, was Sie vorhaben und wann konkret Sie Ihre Schreibtermine geplant haben. Bitten Sie auch um Unterstützung – die auch nur darin bestehen kann, in Ruhe gelassen zu werden. Auch Ermahnungen können nicht schaden: „Wolltest du nicht …?“ 😉

7. Bleiben Sie am Ball
Einen Trick habe ich noch für Sie, damit Ihnen nicht unterwegs die Luft ausgeht. Nehmen Sie sich am Ende einer jeden Schreibsession ganz konkret vor, womit Sie am nächsten Tag beginnen wollen. Das schärft Ihren Blick nach vorne und hält Sie bei Laune!

Ein Anliegen habe ich noch an Sie: Bitte vergessen Sie nicht, gerade an den Schreibtagen ausreichend Bewegung zu machen! Ich weiß, wir sitzen ja immer zu viel, in fast jedem Job haben wir zu wenig Bewegung. Doch Schreiben ist ganz schlimm, finde ich. Kaum dass man sich versieht, ist man vier Stunden regungslos vor dem Computer gesessen. Nur die Finger haben sich bewegt. Das ist wirklich ganz schlecht für Ihren Körper.

Sigmund Freud hat angeblich jeden Tag nach dem Mittagessen einen „rasanten“ Spaziergang gemacht*) – ich stelle mir das ein bisschen wie Nordic Walking mit Spazierstock vor. Das ist natürlich ideal, weil es den Kreislauf so richtig in Schwung bringt. Aber es darf natürlich auch etwas anderes sein. Eine halbe Stunde Tabata-Training zum Beispiel tut es auch oder eine kurze Laufrunde … Doch auch wenn Ihnen nach wenig Anstrengung zumute ist und Sie lieber gemütlich spazieren gehen wollen: Besser Sie tun das, als sich gar nicht zu bewegen!

Nun denn, ich hoffe, ich haben Sie mit ein paar Ideen versorgen können. Ich wünsche Ihnen fröhliche Ferientage und schicke Ihnen eine dicke Ladung Schreibfeenstaub. Hilft bestimmt!

*) aus: Mason Currey, Musenküsse. Die täglichen Rituale berühmter Künstler. Kein & Aber, Zürich – Berlin 2014

 

(Foto: Daniela Pucher)

 

4 Kommentare

  1. Rituale, Disziplin und die Erholung nicht vergessen – Danke, liebe Daniela, für diese schöne Aufstellung. Besonders gefällt mir, dass du Sport und Bewegung erwähnst. Die kommen ja gerade in intensiven Schreibphasen oft zu kurz. Ich glaube, ich gehe mal eine Runde laufen …
    Liebe Grüße
    Cordula

    • Freut mich, dass ich dich animieren konnte. Sport und Bewegung ist mir ja ein ganz spezielles Anliegen, denn das kommt eigentlich IMMER zu kurz 😉 Danke für dein Feedback und liebe Grüße retour!

  2. Auf ein gutes Schreibjahr mit viel Bewegung in jeder Hinsicht, liebe Daniela!

    • Danke, liebe Ines, das wünsche ich dir auch!

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