Soll ich Autor werden? Ist das wirklich etwas für mich? Diese Fragen helfen dir für innere Klarheit – und eine solide Entscheidung, die dich langfristig motiviert.
Da kreist schon länger eine Idee für ein Buch in deinem Kopf. „Schreib es doch!“, sagen deine Freunde. „Oh ja, ich würde es sofort kaufen“, sagen deine Kundinnen. „Wow, ich wäre stolz auf dich, würdest du es schreiben“, sagt der Herzallerliebste.
Manche von ihnen landen bei mir im Coaching. Sie erzählen mir begeistert von den Inhalten und dass sie mit ihrem Wissen gern anderen weiterhelfen wollen – Motive gibt es einige, wie ich sie hier beschrieben habe. Sie sind beseelt von der Vorstellung, ein eigenes Buch in Händen zu halten.
Ein Buch haben oder Autor werden – nicht unbedingt dasselbe!
Vielleicht haben sie sogar ihr halbes Leben lang davon geträumt, Autorin zu sein. Was in diesen Träumen und Vorstellungen aber nicht vorkommt, ist die Schwierigkeit, dem Alltag genug Schreibzeit abzuringen. Auftauchende Zweifel, ob man es wirklich draufhat. Ob man es sich überhaupt erlauben darf, sich mit einem Buch so in den Vordergrund zu stellen. Mit Misserfolgen umgehen lernen und Kritik nicht automatisch persönlich nehmen. Verlagsabsagen einstecken müssen. Mühsames Marketing betreiben, die Werbetrommel für sich selbst rühren.
Aber natürlich sind viele Vorstellungen auch tatsächlich schön. Aus sich selbst schöpfen, etwas ur-eigenes produzieren, kreativ sein zu können, ist eine unglaublich schöne Erfahrung. Im Schreibflow zu sein ist beglückend. Ebenso, wenn man ein fertiges Textstück vor sich hat und es mehrmals liest, weil es einem so gut gefällt. Es ist aufregend, das erste Mal mit einem Verlag zusammenzuarbeiten. Und erst der Tag, ab dem das Buch im Handel ist! Ein tolles Abenteuer!
Hole deinen Traum runter von der Wolke
Viele Autorenkarrieren und Buchprojekte werden abgebrochen, weil die Autorinnen und Autoren auf dem Weg den Mut verlieren, verzagen, sich vom Alltag verschlucken lassen. „Ach, ich hab ja eh keine Zeit“, sagen sie dann, um sich vor sich selbst zu rechtfertigen, warum sie die Flinte ins Korn geworfen haben. Ich finde das sehr bedauerlich. Wie immer bin ich traurig, wenn irgendwo ein Traum stirbt. Deshalb an dieser Stelle ein paar Fragen, die dir für eine Reflexion dienen sollen.
Denn eines erlebe ich immer wieder: Je realistischer meine Autorinnen und Autoren den vor ihnen liegenden Weg betrachten können, desto länger hält ihre Motivation an. Und sollten sie unterwegs trotzdem verzagen, können sie auf das zurückgreifen, was sie zu Beginn des Prozesses über sich und das Autorendasein gelernt haben.
Autor werden – bist du bereit für die Tätigkeit?
Wenn ich höre „Ich möchte Autorin sein“ oder „Ich möchte mein Buch in Händen halten“, frage ich:
Frage 1: Bist du bereit für alle Höhen und Tiefen dieser schönen Aufgabe?
Bist du bereit, täglich mindestens eine Stunde deiner Freizeit fürs Schreiben zu opfern? Bist du bereit, am Wochenende daheim am Computer zu bleiben, während deine Family oder deine Freunde etwas Schönes unternehmen und Spaß haben? Wie sieht es aus mit all den oben bereits erwähnten Unannehmlichkeiten?
Wirst du das alles über die lange Strecke durchhalten? Denn ein Buch schreibt sich nicht in einem Monat und auch nicht in drei oder vier, wie dir manche meiner Kollegen weismachen wollen. Das geht höchstens, wenn du hauptberuflich nichts anderes zu tun hast, als zu schreiben. Ich als Profischreiberin brauche für ein Buch 400 bis 500 Stunden reine Arbeitszeit. Wenn du Neuling bist, brauchst du vermutlich länger. Wenn du in einem Jahr fertig sein möchtest, brauchst du 500 Stunden / 50 Wochen = 10 Stunden pro Woche Zeit für dein Buch!

Frage 2: Kannst du dein Buch überhaupt schreiben?
Na logo, höre ich dich sagen. Na dann ist ja alles gut ;-) Aber differenzieren wir einmal: Ich unterteile das Können in zwei Bereiche. Erstens, hast du die Fähigkeit dazu? Damit meine ich nicht, ob du Buchstaben sinnvoll aneinanderreihen kannst, so wie wir das in der Schule gelernt haben. Wenn du ein Buch schreiben willst, solltest du dich auch ein bisschen mit der Pflicht und Kür des Schreibens auseinandersetzen. Ist keine Hexerei, das kannst du lernen. Bei mir zum Beispiel.
Zur Frage nach der Fähigkeit zählt natürlich auch deine inhaltliche Kompetenz. Kannst du 150 bis 200 Seiten mit sinnvollen Inhalten füllen? Hast du die nötige fachliche Erfahrung, um aus dem Nähkästchen plaudern zu können?
Der zweite Bereich des Könnens umfasst alles, was den nötigen Rahmen anlangt. Also: Hast du einen Computer, eine passende Backup-Lösung? Hast du einen Raum oder zumindest ein Separé, um ungestört arbeiten zu können? Muss nichts Aufregendes sein – Stephen King hat seine ersten Texte auch in der Besenkammer geschrieben.
Es ist mit den zwei Seiten des Könnens ähnlich wie bei einem Klavierspieler: „Ich kann Klavier spielen, aber ich kann nicht“, sagt er, weil er das Spielen gelernt hat, aber kein Klavier vorhanden ist. Da helfen alle Fähigkeiten nichts, wenn die Werkzeuge und anderen Rahmenbedingungen nicht gegeben sind.
Frage 3: Magst du Autor werden?
Hast du es schon einmal probiert, an einem längeren Text zu arbeiten? Wie war das für dich? Was ich am Autorinnendasein mag, ist beispielsweise die Ruhe, die herrscht, wenn ich nur mit meinem Wissen und meinen Gedanken allein vorm PC sitze. Keiner stört mich, keiner will etwas von mir. Nur ich und mein Text. Ich mag es, mit Worten und Sätzen zu spielen, auf dass hoffentlich ein inspirierender Text dabei herauskommt. Ich kann stundenlang recherchieren, lesen, nachdenken, Notizen machen, sinnierend in die Luft schauen, ohne dass mir langweilig wird.
Ich kann es auch aushalten, wenn ich Haare raufend den Überblick über alle Inhalte verliere, weil ich aus meinem eigenen Wissensschatz nicht raussehe. Passiert mir bei jedem Projekt übrigens. Ich kann das deshalb aushalten, weil dann, wenn diese Phase überwunden ist, das Gefühl so wunderschön ist. Diese Krisenphasen kenne ich bei allen Lernprozessen, und auch beim Buchschreiben geht es letztlich darum: etwas gelernt zu haben. Über mein eigenes Wissen und über mich persönlich und auch für meine Leserschaft.
Frage 4: Darfst du überhaupt Autor werden?
Hihi, ich sehe dich gerade Kopf schütteln. „Was heißt hier dürfen“, sagst du. „Na klar darf ich, ich bin schließlich erwachsen und darf tun, was ich will!“ Da hast du auch vollkommen und hundertprozentig recht!
Worum es hier geht: Mir sind schon zu viele Autorinnen und Autoren untergekommen, die beispielsweise gegen Ende Panik schieben. „Kann man das denn wirklich so veröffentlichen?“, fragen sie, und ich weiß, es ist ihr strenger innerer Zensor, der sich gerade wichtigmacht und meint: „Das darfst du nicht.“ Oder „Es steht dir nicht zu, dich so wichtig zu nehmen und gleich ein Buch zu schreiben.“ Oder „Jetzt mal ehrlich, du hast es doch gar nicht drauf!“
Hinter jeder Sorge darüber, was wohl die Kollegen sagen würden oder sonst irgendjemand anderer, steckt in Wahrheit ein „Ich darf nicht“. Ein Glaubenssatz, der es nicht erlaubt, sich in den Vordergrund zu stellen. Überlege also gut. Die meisten sogenannten Schreibblockaden haben ihren Ursprung in dieser Frage. Auch ein hölzener, akademischer, unverständlicher Schreibstil kann das Ergebnis eines „Darf nicht“ sein. Er ist dann wie ein Schutzschild. „Ich will, aber ich trau mich nicht“, sagt dieser Schreibstil. „Weil ich in Wahrheit nicht darf.“
Frage 5: Wofür soll es gut sein, dass du Autor wirst?
Meine Lieblingsfrage :-) Schon allein wegen des Frageworts! „Wofür“ ist für mich so viel weicher, klangvoller als sein viel zu oft strapazierter Kollege „Warum“. Aus Coaching-Sicht ist das Wofür auch deshalb so wertvoll, weil es öffnet und Möglichkeiten triggert. Weil es ein „für“ beinhaltet: Für welche Sache willst du einstehen? Angenommen, du bist Autorin – was soll Gutes, Sinnvolles dabei herauskommen?
Damit meine ich nicht der Nutzen für deine Leserinnen und Leser. Diese Frage stellen wir uns später, wenn es ums Buch geht. Hier und jetzt geht es um dich und deine Autorenschaft. Was soll Gutes herauskommen? Meine Antwort wäre beispielsweise die: Das Gute ist, dass ich dann ganz ich sein kann. Weil es meinem Naturell entspricht, mich schriftlich auszudrücken. Andere sind mündlich besser, ich schriftlich, das war immer schon so. Gut ist auch, dass Bücher mein zweites Zuhause sind, wo ich mich immer schon wohlgefühlt habe.
Was ist dein Wofür?
Auch diese Frage zu beantworten kann tricky sein und du wünschst dir vielleicht eine Sparringpartnerin, um dem Wofür sorgsam auf den Grund zu gehen. Daher hier noch einmal der Button, mit dem du mich buchen kannst:

Sachbücher, die bewegen – das ist mir ein großes Anliegen: Denn wofür sollen Bücher sonst da sein, als die Leser zum Denken, Fühlen oder Handeln zu bewegen?
Ich bin Autorencoach und habe selbst schon viele Bücher geschrieben – viele in meiner Zeit als Ghostwriter, doch auch schon einige unter eigenem Namen. Außerdem schreibe ich regelmäßig im onlineMagazin sinnundstift darüber, wie man das Leben sinnvoller und damit bunter gestalten kann. Egal ob hier im Autorenblog oder drüben bei sinnundstift – ich freue mich sehr, wenn du dich als Abonnent*in einträgst und bei mir mitliest.