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Der unwiderstehliche Buchtitel

Der unwiderstehliche Buchtitel

Kategorie: Publizieren

Über den Leidensweg als Autorin und das Glück, wenn der Titel stimmig ist

Es wird Sie bestimmt nicht überraschen, wenn ich sage: Ich liebe Bücher! Sie helfen, die Welt besser zu verstehen oder ihr auch zu entfliehen; ihre Anwesenheit – je regalweise, desto besser – erzeugt in mir so ein sattes Gefühl des Hierher-Gehörens und der Beruhigung. Ein Buch zu schreiben ist Abenteuer und Entwicklung, manifest werdendes Wissen, egal, ob als Geschichte oder Sachtext festgehalten.

Nur wenn es darum geht, einem Buch einen Namen zu geben, gerät meine Liebe ins Stocken. In dieser Phase erinnert mich das Buch an dieses gehässige, schadenfrohe, böse Rumpelstilzchen. Ach wie gut, dass niemand weiß, … Titelfindung, ich gebe es zu, gehört nicht zu meinen großen Talenten. Ärger noch: Ich hasse es, aber echt! Ganz anders bei Kapitelüberschriften, die gehen mir leicht von der Hand. Doch ein ganzes Buch in zwei oder vielleicht fünf Worten zu benennen, da kriegt mein Kreativmuskel regelmäßig einen Krampf.

So ist er auch kürzlich erst wieder in Schockstarre verfallen, als es um die Titelfindung meines eigenen Buchs ging, das kommenden Herbst erscheinen wird. Ich habe schon vielen Büchern ins Leben verholfen, doch bei der Titelfindung konnte ich mich meist bequem zurücklehnen. Das durften sich meine Autorenkunden und der Verlag miteinander ausbaldowern. Diesmal habe ich die Stadien alle selbst durchlaufen:

1. Da findet man mühsam einen Arbeitstitel samt Untertitel, den man nach langem Hin und Her echt gut findet. Man schreibt ihn hoffnungsfroh ins Exposé. In meinem Fall: „Anleitung zum Sachbuchschreiben“.

2. Mit den Monaten, in denen man einen Verlag findet und am Manuskript schreibt, wird aus der Verliebtheit Liebe und Gewohnheit. Die „Anleitung zum Sachbuchschreiben“ wird zum täglichen Begleiter wie der Name einer neuen Freundin. Man beginnt, mit anderen über das Buch zu reden. Das vertraute „Anleitung zum Sachbuchschreiben“ kommt dabei ganz leicht über die Lippen.

3. Doch die Liebe ist zum Scheitern verurteilt. Eines Tages meldet sich der Verlag: Es wäre nun an der Zeit, einen guten Titel zu finden, die Verlagsvorschau wäre in Arbeit. Ich bin nicht überrascht, das war noch bei jedem geghosteten Buch so. Trotzdem: Warum ist mein Titel nicht gut? Sowas! Er wäre zu langweilig, sagen die Verlagsvertreter. Pfff! Aber doch so praktisch! Man denke nur an den Smalltalk: „Was für ein Buch schreiben Sie denn?“ – „Eine Anleitung zum Sachbuchschreiben.“ – Alles klar, oder?

4. Nun gut. Ist er also nicht gut. Die Vorschläge des Verlags gefallen mir aber auch nicht. Und die Kreative in mir beginnt mit ihrem Krampf zu kämpfen und scheitert kläglich. Ideen und Vorschläge werden zwischen Wien und Heidelberg hin und her geschubst, einmal sind sie zu alltäglich, dann zu wenig zum Buch passend oder zu lang. Es ist ein Jammer. So ein Titel muss ein Hingucker sein!

5. Zum Glück habe ich das weltbeste Netzwerk Texttreff an meiner Seite. Lauter kreative Frauen der schreibenden Zunft, die bereitwillig ihren diesbezüglich eindeutig besser ausgebildeten Kreativmuskel für mich aktivieren. Es dauert nicht lange, bis meine Frage im Forum zu einem regen Brainstorming ausartet.

6. Am Ende gibt es einen Titelvorschlag, den zumindest ich unwiderstehlich finde. „Zur Sache, Experten!“, das gefällt auch der Verlagslektorin und der Projektleiterin und auch der Vertrieb gibt sein Okay. Na bitte, geht doch! Meine „Anleitung“ findet im Untertitel Platz: „Sachbuch schreiben und vermarkten. Eine 10-Schritte-Anleitung“

Und ich bin glücklich. Und erleichtert. Rumpelstilzchen hat sich geärgert, sich zum Glück aber nicht selbst zerrissen. Im Gegenteil. Zurzeit wird es gerade korrekturgelesen, glaube ich. Bis es im Herbst erscheint, habe ich also noch lange Zeit, um mich über das Cover zu freuen, das der Grafiker des Springer Verlags für mich entworfen hat. Ist es nicht wunderschön?

4 Kommentare

  1. Herzlichen Glückwunsch zum frisch getitelten Buch!

    Bin sehr gespannt auf dein Buch und freue mich mit dir über deinen Erfolg!

    • Wie lieb von dir, danke schön! 🙂

  2. In Gold und mit Krone! Das kann ja nur ein Bestseller werden. Und mit deiner Fachkompetenz sowieso. Herzlichen Glückwunsch zum Werk und einen erfolgreichen Launch wünsche ich. LG nach Wien!

    • Danke sehr für die guten Wünsche, Eva! Lieben Gruß retour nach Düsseldorf 😉

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