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Raus aus der Schutzfolie, ihr Bücher!

Raus aus der Schutzfolie, ihr Bücher!

Kategorie: Ansichtssache

Umweltschutz in der Buchbranche: Es wird höchste Zeit für plastikfreie Bücher.

Ich kaufe mir ein neues Buch. Daheim nehme ich es aus der Stofftasche und beginne mit dem unvermeidlichen Ritual des Ausschälens aus der Schutzfolie. Taktik Nr. 1: Ich suche nach der Schweißstelle der Folie in der Hoffnung, dass da ein Stückchen absteht, an dem ich ziehen kann. Nichts da. Die Folie spannt sich perfekt ums Buch. Da sieht man wieder, wie unnütz Perfektion ist. Also Taktik 2: Ich biege vorsichtig das Buch längs, das geht, weil es ein Softcover hat. Manchmal habe ich Glück und die Folie reißt dadurch.

Leider, auch das hilft nichts. Also Taktik 3: Mit dem Fingernagel fahre ich seitlich zwischen Coverdeckel und den ersten Seiten entlang, damit gelingt mir hoffentlich ein Schnitt in die Folie, ohne das Buch zu beschädigen. Argh! Meine Nägel sind viel zu kurz und weich. Langsam reicht es mir. Hilft also nur das Notfallprogramm: Ich nehme die Papierschere aus dem Köcher und dann endlich bin ich erfolgreich. Die Folie knülle ich zusammen und werfe sie zum Plastikmüll.

Warum eigentlich ist jedes Buch, das man kauft, in Plastik verpackt? Seit ich denken kann, plage ich mich mit den Folien ab. Seit vielen Jahren schon frage ich mich, ob denn der Umweltschutz an der Buchbranche vorbeigegangen ist. Ist er natürlich nicht. Es gibt Verlage, die umweltfreundliches Papier verwenden, und ich hoffe, dass die Druckereien im Laufe der letzten Jahrzehnte ihre Produktion generell an Umweltstandards angepasst haben, so gut es möglich ist. Doch diese unsäglichen Folien, die müssen sein, oder wie?

Diskutiert wird schon lange

Seit einigen Jahren wird immer wieder diskutiert, ob die Folie wegkann oder nicht, doch offenbar haben die Rädelsführer eine Pattstellung, aus der sie nicht rauskommen. Natürlich gibt es Argumente, die für die Schutzfolie sprechen, sonst hätten Verlage, Buchbindereien und Logistikunternehmen sich die Zeit und vor allem das Geld schon längst gespart. Wenn in der Wirtschaft der Umweltschutz schon keinen Wert hat, dann doch auf jeden Fall die Kostenreduktion! Offenbar schätzt man jedoch den Verlust durch beschädigte, verschmutzte, feucht gewordene Bücher höher ein, als das Folieren kostet.

Andererseits gibt es aber sehr wohl zunehmend Stimmen für das Abschaffen. Ich freue mich sehr zu hören und zu lesen, dass die Kundinnen und Kunden in der Buchhandlung immer öfter die Folie beanstanden. Es ist ja auch absurd: Da sollen die Buchhändler (wie generell im Handel) auf Plastiksackerl verzichten, und dann müssen Sie in Plastik verpackte Bücher verkaufen.

Doch das Ende der Schutzfolie naht

Ich bin sicher, es ist nur noch eine Frage der Zeit. Die EU will eine Plastikverordnung endgültig durchsetzen (inhaltlich ist da noch Luft nach oben, aber immerhin!), und was mich am meisten freut zu lesen: Die ersten Verlage trauen sich, Hardcover-Ausgaben ohne Folie zu produzieren. Nele Neuhaus‘ neuester Krimi wurde vom Ullstein-Verlag nur mit einem „Frischesiegel“ versehen, das das Öffnen des Buchs verhindert. Das ist doch ein guter Anfang!

Warum sollte das auch nicht klappen? In vielen anderen Ländern wie Großbritannien oder in den skandinavischen Staaten gibt es schon lange keine Bücher mit Schutzfolie! Leserinnen und Leser werden sich schnell daran gewöhnen, wo sie doch ohnehin mehrheitlich dafür sind. Beim Versand und der Lagerung der Bücher wird man sich darauf einstellen und ein bisschen vorsichtiger sein. Und ich – und all die anderen, die sich mit dem Herumfitzeln an der Folie plagen, wir werden dankbar sein. Und die Natur sowieso.

2 Kommentare

  1. Liebe Daniela,

    erst letzte Woche ist mir wieder aufgefallen, dass gerade auch umweltfreundlich hergestellte Bücher mit der inhaltlichen Botschaft einer nachhaltigen Zukunft in Plastikfolie verpackt sind. Und bei meinem eigenen Buch ist das auch so. Ich werde mich, angeregt durch deinen Artikel, nochmals an den Verlag wenden – und auch gleich auf deinen Artikel verlinken.

    Herzliche Grüße,
    Regina

    • Das ist eine gute Idee, liebe Regina! Ich denke, die Branche ist ohnehin bereits sensibilisiert – je mehr Menschen zusätzlich noch ihre Meinung dazu kundtun, desto eher wird sich etwas in Richtung plastikfreier Bücher ändern. („Plastikfreie Bücher“ – eigentlich ist das ja ein Widerspruch in sich, oder?)

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