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Wen schert schon die Konkurrenz

Wen schert schon die Konkurrenz

Kategorie: Buchmarketing

Warum die Wettbewerbsanalyse jede Sachbuchidee killen kann – oder sie erfolgreich macht

Es gibt Autoren, die scheren sich einen Dreck um so langweilige Dinge wie „Definiere deinen USP“ oder „Konkurrenzanalyse“. Jeder Marketing-Fachmensch rauft sich die Haare und versucht, diese Autoren zur Raison zu bringen, doch vergebens. Die Autoren tun einfach, was ihnen passt, und punkt.

Dann gibt es Autoren, die haben eine Buchidee – und das Erste, was sie tun, ist: Sie rennen in die Bibliothek und schauen, was die anderen zu dieser Idee schon geschrieben haben. Könnte ja sein, dass ihre Idee gar nicht so famos ist. Der Marketing-Fachmensch findet das in Ordnung. Er rauft sich erst die Haare, wenn er später feststellen muss, dass der Autor auf der Stelle die Idee fallen lässt wie eine heiße Kartoffel und ihr keine weitere Chance gibt. Oder wenn er von den anderen abkupfert. Mitunter tut er das gar nicht absichtlich, aber es passiert eben. Je begeisterter er von den Konkurrenzwerken ist, desto eher.

Sie können sich vorstellen, dass weder das eine noch das andere jetzt das Gelbe vom Ei ist. Wobei ich, die ich sehr marketing-affin bin, ehrlicherweise sagen muss: Der, der sich nicht um seine Konkurrenz kümmert, steigt möglicherweise besser aus. Vor allem dann, wenn er sehr genau weiß, was er will. Wenn er eigenwillig ist und authentisch und keine Scheu davor hat, seine Gedanken geradeaus und frei zu formulieren.

Jeder Mensch hat einen einzigartigen Blick auf die Welt

Es gibt – nehmen wir ein Beispiel – vermutlich so an die hunderttausend Bücher zur Kommunikation. Man könnte meinen, es ist nun wirklich erschöpfend alles darüber geschrieben worden. Aber nein. Es kommen jährlich neue Bücher dazu – weil es ja doch immer wieder Menschen gibt, die eine Sichtweise darauf haben, die neu ist. Jeder Mensch ist nicht zuletzt deshalb einzigartig, weil er einen ganz speziellen Blick auf die Welt hat. Daraus ergeben sich ungeahnte Varianten. Klar, das hat seine Grenzen. Unterscheidet sich die Sichtweise nur um Nuancen, wird das bei Lesern wenig Interesse erzeugen.

In diesem Sinn bitte ich Autoren, zuerst einmal ihr Herz und Hirn austoben zu lassen, damit die innere Stimme zu Wort kommt und eine Chance hat. Man wird dann ja sehen, was dabei herauskommt und ob das spannend und marktfähig genug ist!

Sich im unendlichen Wissen von Bibliotheken verlieren

Schneller ist man ohne langwieriger Konkurrenzanalyse allemal. Ich habe schon viele Autorinnen erlebt, die zwecks Begutachtung von Konkurrenzwerken in eine Buchhandlung gingen und mit einem Berg von Fachbüchern wieder herauskamen. (Mir passiert sowas ja nie!) Die mussten sie dann alle lesen, schließlich ist das Thema ja spannend, logisch. Bis sie die zehn Bücher fertig gelesen haben, hat der andere Autor – der, der sich nicht um die Konkurrenz schert – sein Manuskript schon in der Erstfassung fertig. Bis sie sich von der Begeisterung über diese tollen Bücher erholt und sich wieder ihrer eigenen Idee widmen können, hat der andere sein Buch schon im Verkauf.

Das liegt zu einem Großteil daran, dass die Klug- und Weisheiten dieser anderen Büchern irritieren, die eigene Idee torpedieren können. Wissen in Büchern ist bereits professionell konzipiert verfasst und beeindruckt weit mehr als die eigene Idee, die noch ziemlich unreif im Kopf kreist. Man ist also verführt, sich ein bisschen etwas abzuschauen – und schon ist er weg, der einzigartige, individuelle Blick auf das Thema, verwaschen von fremden Ideen anderer Autoren.

Erst selbst denken, dann über den Tellerrand schauen

Wie Sie verhindern, dass die Konkurrenzwerke Ihre Idee torpedieren, können Sie sich vielleicht jetzt schon denken:

  1. Genießen Sie die Gesellschaft der schönen Buchidee, die sich in Ihrem Kopf festgesetzt hat.
  2. Fragen Sie sich zuerst, was SIE dazu zu sagen haben. Wie können Sie Ihren Blick auf das Thema beschreiben? Was fasziniert Sie daran besonders? Welche Aspekte finden Sie entbehrlich, welche sind wichtig? Welche Fragen haben Ihre Kunden zu diesem Thema? Welchen Nutzen wollen Sie Ihren Leserinnen und Lesern bringen?
  3. Erst dann schauen Sie, was andere dazu bereits geschrieben haben. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Sie auf den ersten Blick den Eindruck haben, es wäre alles dasselbe. Im Gegenteil: Eine Jetzt-erst-recht-Mentalität hilft Ihnen, Ihre Idee zu schärfen. Fragen Sie sich: Was sehe ich anders als die Konkurrenz? Ist die Zielgruppe des Autors wirklich dieselbe wie meine? Wie könnte ich mein Buch anders strukturieren und anders gestalten, sodass es einen neuen, aktuelleren Touch vermittelt und andere Zielgruppen anspricht?

 

Fotocredit: Lupo / pixelio.de

2 Kommentare

  1. Das ist ein guter Ansatz, finde ich. Gerade nach der Buchmesse in Frankfurt hatte ich wieder dieses Gefühl: Warum überhaupt noch Bücher schreiben, wenn ich nicht einmal ansatzweise lesen kann, was es alles schon gibt? Kein Thema, das es nicht schon in zigfacher Bearbeitung gäbe. Aber dann denke ich, wäre ich Malerin, würde ich mich davon abhalten lassen, eine Blume zu malen, weil van Gogh, Nolde u.v.m. das schon getan haben und womöglich noch unerreichbar gut? Könnte man es nicht andersherum als Herausforderung sehen, das eigene Empfinden, die eigene Auffassung des Themas, geboren aus der Zeit und den Umständen, in denen man lebt, dazuzustellen? Tja, die beiden Pole, zwischen denen es oft hin- und hergeht im kreativen Prozess, oder schon davor.

    • Genau! Dein Vergleich mit der Malerei ist sehr treffend: Nur weil es schon Blumenbilder gibt, heißt das noch lange nicht, dass MEIN Blumenbild eines zu viel ist. Im Gegenteil: Vielleicht ist gerade meine Sicht auf die Blume so, dass sie viele Menschen berührt, zum Nachdenken anregt, bereichert! Und so ist es auch bei Büchern und wohl allen anderen Genres.

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