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Glaubwürdigkeit: Des Sachbuchautors größte Tugend

Glaubwürdigkeit: Des Sachbuchautors größte Tugend

Kategorie: Autorenberatung

Die drei wichtigsten Must-haves für den glaubwürdigen Autor

„Warum schreibst du nicht ein paar Bücher zu verschiedenen Themen und bietest sie Autoren an, die sie dir abkaufen und ihren Namen draufschreiben? Ich würde da sofort zuschlagen!“, sagte einst ein Ghostwriting-Kunde zu mir. Er plagte sich gerade damit ab, meine vielen bohrenden Fragen zu beantworten, und war wohl ziemlich genervt, weil ich gar so neugierig war. Berufskrankheit halt. Als Ghostwriter muss ich gnadenlos neugierig sein, sonst kann ich nicht so schreiben, als hätte der Autor es selbst geschrieben. Da glaubte ich ihm gerne, dass er lieber ein Buch „von der Stange“ gehabt hätte.

Bücher von der Stange?

Ein interessantes Geschäftsmodell jedenfalls: Sachbücher schreiben und vorne am Cover den Platz für den Autorennamen freilassen. Nur funktionieren wird das nicht. Schon alleine das mit der Glaubwürdigkeit wird nicht klappen: Ein Buch, in dem meine Erfahrungen, meine Herangehensweise, mein Wissen drinsteht, wird nicht zu einem anderen Autor passen. Nicht bei einem Sachbuch oder Ratgeber. Das wäre wie ein maßgeschneidertes Kleid in Größe 38 in Orange-Türkis, kurz und schmal gehalten, also perfekt für mich. Passt sonst niemandem außer mir. Und wer es versucht anzuziehen, wird schnell merken: Es zwickt da und schlottert dort, die Farben passen gar nicht und vom Stil her ist es sowieso völlig daneben.

Ein Sachbuch oder Ratgeber ist ein Medium, mit dem eine Expertin sich einen Namen machen, ihre Reputation erhöhen, sich als Spezialistin auf ihrem Gebiet etablieren möchte. Das kann nur dann klappen, wenn das drinsteht, was ihre Überzeugung, ihr Wissen, ihre Erfahrung widerspiegelt. Würde sie sich im Buch beispielsweise als Tierschützerin darstellen und auf der Bühne im Nerzmantel auftauchen, würde ihr das Publikum davonlaufen (oder sie mit faulen Paradeisern bewerfen).

Die 3 Must-haves für den glaubwürdigen Autor

Denn das eine geht ohne das andere nicht: ein erfolgreiches Sachbuch schreiben und glaubwürdig sein. Wie können Sie das bewerkstelligen?

  1. Schreiben Sie nur das in Ihr Buch, was Sie zu 100 % vertreten können und auch wollen. Das beginnt schon bei der Wahl des Themas und der Perspektive, aus der Sie es darstellen wollen. Nicht jedes Buch, das andere Ihnen zu schreiben vorschlagen, ist auch für Sie wirklich repräsentativ und sinnvoll.
  2. Schreiben und gestalten Sie Ihr Buch in einem Stil, der zu Ihnen passt und Ihre Persönlichkeit durchscheinen lässt. Eine Trainerin, die berühmt ist für ihre Witze zwischendurch, wird anders schreiben als ein um Wissenschaftlichkeit bemühter Professor oder eine sorgenvolle Ärztin der Naturheilkunde.
  3. Seien Sie ehrlich und nennen Sie Quellen: „Das hier hat X gesagt, das hier ist von mir.“ Denn es glaubt Ihnen ohnehin kein Mensch, dass Sie die Bedürfnishierarchie, die Relativitätstheorie oder die Sachertorte erfunden haben.

Falls Sie bei allen drei Punkten mit der Schulter gezuckt und „eh klar“ gesagt haben: Super! Doch selbstredend ist das nicht. Es ist mir schon passiert, dass ich – berufsneugierig, wie ich bin – beim Autor genauer nachbohrte und als Antwort erhielt: „Hm, ich hab das anders gemeint, aber egal, schreiben wir das so.“ Und bei Punkt 3 sehen sehr viele Menschen ganz viel Graubereich. „Der X hat das in seinem Ratgeber so geschrieben, das will ich auch so haben. Aber ohne Quellenverweis, das wäre mir peinlich.“ Es scheint peinlicher zu sein zuzugeben, dass ein Kollege etwas weiß, was man selbst nicht ausreichend weiß. Es scheint aber nicht peinlich zu sein abzuschreiben? What the hell!

Glaubwürdig und vertrauenswürdig

In der Non-Fiction (also bei Fach-, Sachbüchern, Ratgebern und Biografien) geht es um Glaubwürdigkeit, in der Literatur um Vertrauenswürdigkeit. Das sage nicht ich, sondern das sagte der Vorarlberger Schriftsteller Arno Geiger in einem Interview mit dem Anzeiger*) Als Spezialist des Fiktionalen meinte er, es sei egal, ob man glauben kann, dass Kafkas Gregor Samsa als Käfer aufwacht, solange wir dem Autor vertrauen können, dass er uns etwas erzählt, das mit uns zu tun hat. Im Sachbuchbereich wird man Ihnen einen Käfermenschen nicht abkaufen. Da müssen Sie glaubwürdig sein. Dann sind Sie als Expertin oder Experte nämlich auch vertrauenswürdig.

*) Anzeiger, das Monatsmagazin des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels (HVB), Ausgabe 1/2018

Fotocredit: Daniela Pucher

6 Kommentare

  1. Hallo,

    danke für alle deine Artikel.
    Viel Erfolg

    • Sehr gerne, liebe Christine! Ich hoffe, sie sind hilfreich!

  2. Hach, außer der Größe 38 hätte jedes Wort von mir sein können .. Danke, Daniela!
    Besonders wichtig finde ich die Sache mit den Quellenangaben … Ich beobachte da in letzter Zeit eine ziemliche öhm … Gleichgültigkeit. Hängt vielleicht damit zusammen, dass viele Autor/innen einfach nicht wissen, wie man richtig zitiert. Oder gleich befürchten, das sei – wie so vieles andere auch – inzwischen völlig verboten. Manchmal aber sind es vermutlich aber doch ganz einfach absichtlich fremde Federn am eigenen Hut.

    Ganz herzliche Grüße
    von Maria

    • Ja, liebe Maria, Unwissenheit ist tatsächlich auch oft der Grund, und Gleichgültigkeit finde ich ganz schlimm. Und wie ich schrieb: Man kann es tatsächlich auch peinlich finden, etwas zu zitieren, nur weil es vom Konkurrenten geschrieben wurde. Aber dafür sind wir Autorenberaterinnen ja da, nicht wahr, um aufzuklären und zu helfen, es besser zu machen!

  3. Schöner Artikel, besonders den Hinweis mit den Quellen finde ich wichtig. Wie oft ärgere ich mich über „Experten, die gesagt haben …“.

    • … und viele Autorinnen und Autoren erkennen nicht den Zusammenhang Quellenangaben -> Glaubwürdigkeit!

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