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Das erzählende Sachbuch

Das erzählende Sachbuch

Kategorie: Autorenberatung, Ghostwriting

Eine Liebeserklärung an diese spezielle Art, Wissen zu vermitteln

Was lesen Sie lieber: Sachbücher oder Romane? Oder beides, je nachdem, ob Sie sich informieren oder unterhalten und entspannen wollen? Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit einem Genre, das beides in einem Buch vereint: mit dem Roman-Sachbuch oder erzählendem Sachbuch. Dabei wird ein Sachthema in Form einer Geschichte dargeboten. Es wird also unterhaltsam informiert, indem das Wissen in eine Handlung eingepackt wird.

Das erzählende Sachbuch gibt es im Grunde schon lange: Jede Biografie fällt in die Rubrik Sachbuch, weil das reale Leben einer Person nun mal keine Fiktion ist, sondern eben „non-fiction“ (so werden Sachbücher im Englischen genannt). Auch für Kinder wird Wissen über Geschichten weitergegeben. Was mich aber als Autorin für Wirtschaft und Psychologie begeistert, ist, dass dieses Zwitter-Genre auch in der Management-Literatur Einzug gefunden hat. „Der Termin. Ein Roman über Projektmanagement“ von Tom DeMarco zum Beispiel oder auch „Fish! Ein ungewöhnliches Motivationsbuch“ von Lundin/Paul/Christensen.

Emotionen erhöhen den Lerneffekt

Mir gefällt, dass sie das erfüllen, was man braucht, um sich Wissen besonders gut anzueignen: Sie verbinden Sachinhalte mit Emotionen. Und sie setzen eine uralte Tradition fort, denn Geschichten waren immer schon Träger von Wissen und Weisheit. In einer Zeit, in der die meisten Menschen keinen Zugang zu Büchern hatten und auch gar nicht lesen konnten, war das Erzählen die einzige Möglichkeit, um Wissen weiterzugeben.

Es ist uns in die Wiege gelegt worden, dass wir uns an eine Geschichte viel leichter erinnern als an reine Fakten. Denn beim Geschichtenlesen (oder -hören) werden immer Emotionen geweckt. Es entstehen Bilder im Kopf. Wer einer Erzählung folgt, muss nicht erst selbst mühsam Sinnzusammenhänge herstellen, wie man das bei einer reinen Aufzählung von Fakten tun muss. Und das sorgt für den besseren Lerneffekt.

Geschichten will man bis zum Ende lesen

Noch einen Vorteil hat ein erzählendes Sachbuch: Wird eine Geschichte gut erzählt, wird man hineingezogen ins Geschehen. Unser Gehirn arbeitet beim Lesen so, dass wir mit den Figuren mitleben und mitempfinden. Wir wollen unbedingt wissen, wie es weitergeht. Und schwupp – haben wir das Buch schon bis zum Ende gelesen. Ein Umstand, den man sich bei einem reinen Sachtext hart erarbeiten muss. Denn das Bis-zum-Ende-Lesen ist heutzutage ein aussterbendes Leseverhalten, bei Sach- und Fachbüchern ebenso wie im Journalismus.

Nicht nur als Leserin begeistert mich das erzählende Sachbuch. Kürzlich habe ich ein solches auch als Ghostwriter geschrieben. Wir sind in der letzten Überarbeitung des Manuskripts, also in der Zielgerade. Mein Fazit: Es ist herausfordernd, beides zu bedienen, den guten Sachinhalt und die unterhaltsame Geschichte. Doch es macht sehr viel Spaß. Wollen wir also hoffen, dass es auch den Leserinnen und Lesern Spaß machen wird!

 

(Foto: Daniela Pucher)

8 Kommentare

  1. Liebe Daniela, danke für diesen interessanten Beitrag! Aus dem Überwinden alter Grenzen entsteht Neues, ja. Kreativität besteht ja nicht nur im Finden des ganz Ursprünglichen, sondern eben auch im Spielen mit den Genres, im Überwinden von Grenzen, im Zusammenfügen von bisher Getrenntem – so entstehen neue Aspekte. Spannend, dieser neue Trend im Sachbuchsektor!

    • Stimmt, liebe Sonja, das ist ein typisches Beispiel für das Zusammenfügen von bisher Getrenntem. Ich habe einmal wo gelesen, dass sogar der überwiegende Teil kreativer Leistungen im Kombinieren von bereits Vorhandenem liegt. Muss man ja auch einmal erst draufkommen!

  2. Liebe Daniela, lustig! Genau darüber denke ich zur Zeit auch nach…. Und ich seh das wie du: das Genre ist toll – und völlig zu Unrecht durch alle Raster gerutscht…. weil Verlagsprogramme und Vertriebslogistik ebenso starre Raster haben wie die Regalmeter der meisten Buchhaendler. Wird sich aber auf Dauer nicht halten lassen. Wie so viele festgefahrenen Verlags-Vorgaben. Das bewegt sich. Und das erzahlende Sachbuch kommt (wieder) – da bin ich sicher. Und freu mich drauf!
    Herzlichen Gruß an einen ghost, der dieses besondere Genre sicher meisterlich beherrscht…
    Maria

    • Oh, danke für die Blumen, liebe Maria! <3

      Da sprichst du etwas Wichtiges an: die Herausforderung, einen Verlag zu finden, der sich auf derlei "Experimente" einlässt. Obwohl das ja gar nicht sooo neu ist. Ich bin sehr gespannt, ob das Buch, das ich gerade zu Ende ghoste, schnell einen Verlag findet. Wir suchen nämlich gerade!

    • Hallo Renate, da hätte ich eine Frage: Verwendest du den Begriff „erzählendes Sachbuch“ nur für Biografien? Ich stelle nämlich fest, dass es da Begriffsuneinigkeiten gibt. Für mich ist ein erzählendes Sachbuch auch eines, das ein Sachthema erzählerisch aufgreift (also keine Biografie). Ich fände es schön, wenn ich in meinem Kopf eine klare Definition hätte 🙂

  3. Hallo.

    Darf ich mich mal einmischen? (Wenn nicht: einfach ignorieren)
    „Für mich ist ein erzählendes Sachbuch auch eines, das ein Sachthema erzählerisch aufgreift“. Was daran ist keine klare Definition? Was fehlt denn zu einer klaren Definition?

    • Hallo Franz, nun, es gibt Bücher, die zB die verschiedenen Aspekte des Sachthemas mit verschiedenen Geschichten untermauern. Da gibt es somit verschiedene Protagonisten. Auch so etwas habe ich schon als „erzählend“ beschrieben bekommen. Oder Bücher, in denen zwar ein fixes Personal vorkommt, das aber keine durchgängige Geschichte erzählt, sondern nur Sequenzen, um bestimmte Sachaspekte zu veranschaulichen.

      So gesehen müsste dann ein Sachbuch, das mit Best-Practice-Beispielen arbeitet, auch zu einem erzählenden Sachbuch zählen. Es scheint also schwierig zu sein, eine klare Grenze zu ziehen! Was hast du denn für Erfahrungen damit?

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