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Der auktoriale Plagegeist oder: Sind Sie bereit für Ihr Buch?

Der auktoriale Plagegeist oder: Sind Sie bereit für Ihr Buch?

Kategorie: Autorenberatung, Sachbuch und Ratgeber

Ich habe eine sehr liebe und buchbegeisterte Freundin, belesen und klug. Sie arbeitet selbstständig in einem Metier, in dem sie vielen Menschen hilft. Und sie hat viel zu erzählen.

Vor etwa drei Jahren saßen wir bei einem Schälchen Kaffee. „Weißt du“, sagte sie und ihre Stimme bekam so einen schwärmerischen Touch, „ich würde auch gerne ein Buch schreiben.“ Nun, man kann mir so etwas nicht zum Kaffee servieren, ohne damit zu rechnen, dass ich meine gesamte Klaviatur für das Entwerfen von Buchkonzepten auspacke. Es dauerte auch nicht allzu lange und wir hatten eine konkrete Idee sowie Inhalte, Zielgruppe und Lesernutzen festgelegt. Meine Freundin war begeistert und konnte es kaum erwarten, nach Hause zu kommen. Es brannten schon die Buchstaben unter ihren Fingern.

Ein paar Wochen später trafen wir uns wieder und ich fragte nach dem Buch. „Ach“, sagte sie ganz zerknirscht, „ich weiß nicht. Wen interessiert das schon, was ich schreiben möchte!“ Es lag ein leichtes Flehen in ihrem Blick. Ich zückte abermals meine Werkzeuge und wir rückten die Idee zurecht. „Schreib“, ermutigte ich sie, „das ist ein gutes Thema!“

Der erste Satz wartet immer noch, von ihr abgeholt zu werden.

Tausend Mal durchgekaut, aufgehoben, entsorgt, verändert. Schubladisiert.

Kommt Ihnen das ein bisschen bekannt vor? Ja? Oder vielleicht haben Sie einen anderen Plagegeist auf der Schulter sitzen, der Ihnen permanent ins Ohr krächzt:

  • „Die Idee ist noch nicht perfekt genug.“
  • „Vorher muss ich alles, alles darüber recherchieren.“
  • „Vorher muss ich für andere etwas tun, bevor ich etwas für mich tun darf.“
  • „Jetzt habe ich keine Zeit, aber eines Tages schreibe ich es bestimmt.“
  • „Ich bin viel zu ungeduldig, um all das aufzuschreiben, was ich weiß.“
  • „Wen interessiert schon, was ich weiß!?“
  • „Ich bin nicht klug genug dafür.“

Es gibt bestimmt noch weitere Plagegeister. Sie alle sind einer Aliengrube entstiegen, in der ganz tief unten eine zähe Masse aus Selbstzweifel und diffusen Ängsten blubbert. All diese Einwände, so triftig sie scheinen mögen, sind aber letztlich doch nur Ausflüchte. Ja, Ausflüchte. Denn der Plagegeist sorgt so dafür, dass Sie nie ins Schreiben kommen, was eventuell, unter Umständen, möglicherweise dazu führen könnte, dass Sie enttäuscht werden. Oder sich selbst beweisen, was Sie ohnehin schon immer wussten: dass Sie nicht perfekt, nicht klug genug oder uninteressant sind. Bäm!

Fake it until you make it

So etwas können Sie sich doch nicht gefallen lassen, oder? Ich habe einen Trick, mit dem Sie Ihren Plagegeist überlisten können: Sagen Sie ihm, dass Sie ja doch gar nicht am großen Werk schreiben. Nein, Sie spielen nur ein bisschen herum, nur ein paar Seiten. Und niemand wird das je zu lesen kriegen, versprochen. Gaaanz harmlos! Deshalb muss man gar nicht perfekt sein wollen. Oder klug. Oder geduldig. Ist ja nur einmal so dahingeschrieben, nur aus Spaß an der Freude.

Und ehe sich der Plagegeist versieht, ist ein Anfang gemacht. Und Sie können sich freuen, denn: Wenn Sie ein Buch schreiben wollen, müssen Sie – schreiben! Und das haben Sie hiermit begonnen.

 

Foto: pixabay.com

3 Kommentare

  1. Geschätzte Frau Mag. Pucher,

    ich wollte ein Buch schreiben und habe es geschrieben. Es hat den Titel „Homöopathische Therapie (nicht nur) schwerer Pathologien“. Und ich habe ein zweites geschrieben. Ein bissiges – mit Sprüchen und Briefen an Politiker, Künstler, Leiter, Verwalter u. a. Und gehofft habe ich, dass sie veröffentlicht werden, die beiden Bücher. Aber leider: Ich habe keinen Verlag gefunden.

    Liebe Grüße
    MANfRED Pichler

  2. Nun ja, in dieser Zeit sind ja zumindest zwei Bücher mit-geschrieben und veröffentlicht worden. 😉
    Und in den letzten drei Monaten sind ganz unerwarteter Weise ein paar Geschichten/Märchen entstanden, vielleicht wird daraus ja auch mal ein Buch. Wenngleich auch ein ganz anderes als geplant 😉
    „Alles hat seine Zeit“, und die nehme ich mir einfach.

    Gleichzeitig weiß ich, wie gut aufgehoben die Menschen bei DIR sind, wenn sie bereit sind, ihre Ideen und Gedanken in ein Buch zu verpacken. Den Fake-it-Gedanken find ich genial, der wird bestimmt vielen helfen!

    • Oh, wie schön! Ich freue mich immer, wenn Geschichten entstehen. Oder Märchen 🙂

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