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Des Autors einsamer Job

Des Autors einsamer Job

Kategorie: Ansichtssache, Ghostwriting

Der Aufruf zur Blogparade von Claudia Kauscheder hat mich dazu bewogen, über das Arbeiten im Homeoffice nachzudenken – dem wohl häufigsten Arbeitsplatz von Autorinnen, Lektorinnen, Ghostwritern und anderen professionellen Schreibern.

Atemberaubend, der Ausblick von meinem Balkon: blauer Himmel trifft blaues Meer, roter Oleander an der Kaimauer, südländisches Ziegeldach auf weiß getünchten Häusern. Unterm Sonnenschirm saß ich da, das Notebook auf dem Schoß, um an einem Buch zu schreiben. Eine Woche lang wollte ich mich zurückziehen in die Einsamkeit und den Traum des Schriftstellers leben.

An den ersten drei Tagen musste ich die Gegend erkunden. Für Schreiben hatte ich gar keinen Kopf. Am vierten Tag zückte ich mein Notebook – um ihn bald wieder zuzuklappen. Die schönen bunten Bilder des Südens hatten wohl alle Wörter in meinem Kopf verscheucht. An den Tagen fünf und sechs zwang ich mich zum Arbeiten. Ich saß da auf meinem Balkon wie in einem kitschigen Gemälde und starrte den weißen Bildschirm an. Am letzten Tag fuhr ich heim mit gefühlten drei Wörtern Text und viel Frust im Gepäck.

Es ist die Einsamkeit, die meine Kreativität killt, nicht das Alleinsein

Es dauerte eine Weile, bis ich begriff: Ich liebe das Alleinsein sehr. Niemals würde ich mein Homeoffice gegen einen Bürojob tauschen, wo es nur so wuselt vor Betriebsamkeit und ich mich nicht konzentrieren kann, weil ständig jemand etwas von mir braucht. Das hatte ich lange genug! Ich liebe die Ruhe.

Doch andererseits hat mir meine Autoren-Eremitage am Meer gezeigt, dass ich auch Gespräche brauche, Impulse von außen, damit ich meine Gedanken besser begreifen kann. Da reicht ein traumhafter Blick aufs Meer nicht aus. Wenn mir die Ansprache fehlt, der Austausch, dann wird aus meinem geliebten Alleinsein plötzlich träge Langeweile und schließlich traurige Einsamkeit. Und die killt bei mir jegliche Kreativität.

Sich regen, damit die Gedanken sich bewegen

Zum Bücherschreiben braucht man bestimmt das Alleinsein – um sich ausgiebig und ungestört in das Thema vertiefen, mit Worten und Bildern spielen zu können. Doch genauso braucht man Impulse von außen, die Bewegung in die grauen Hirnzellen bringen.

Seit letztem Sommer habe ich zusätzlich zu meinem Homeoffice einen Schreibtisch in der bricklane. Für mich ist das die optimale Lösung. Denn nun kann ich wahlweise alleine in meinem Homeoffice werkeln oder in der ruhigen, rücksichtsvollen, mit einem Wort besten Bürogemeinschaft der Welt. Ich habe liebe Kollegen zum Fachsimpeln und Schwatzen und Netzwerken. Ich habe Tapetenwechsel. Ich weiß, wo ich hingehen kann, wenn ich mich mal nicht von meinem gemütlichen Morgenmantel trennen will. Und ich bin zwangsläufig viel mehr in Bewegung, denn von einem Arbeitsplatz zum andern ist es ein viertelstündiger Fußmarsch. Allemal länger als der Weg vom Bett zum Schreibtisch.

Foto: (c) fotolia

3 Kommentare

    • Wow super, Claudia, wie viel Arbeit du dir da gemacht hast. Tolle Zusammenfassung!

  1. Die Ruhe genieße ich selbst auch am meisten im Homeoffice. Man setzt sich an seinen Schreibtisch, macht die Fenster zu und man hat nur so viel Geräuschkulisse wie man selbst möchte. So arbeite ich am schnellsten und besten.

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