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Schreibpause

Schreibpause

Kategorie: Ansichtssache

Wenn man tagtäglich hauptberuflich schreibt und liest, hat man so seine eigenen Vorstellungen von einem idealen Urlaub. Schreibfreie Zeit zum Beispiel. Eine Woche lang keinen Stift und keinen Schreibblock, keine Tastatur, kein iPad, nicht einmal ein Smartphone zur Hand nehmen – einfach herrlich! Keinen Buchstaben zu schreiben, das war also mein Wunsch an die Urlaubsfee. Ganz kurz dachte ich auch noch daran, mir eine lesefreie Zeit zu wünschen. Aber ganz ehrlich: Auf einer Terrasse sitzen und kein Buch lesen? Im Café unterm Sonnenschirm am frischen Orangensaft nuckeln und nicht in einem Roman versinken? Also nein. Das wäre ja glatte Selbstgeißelung! Also blieb es beim Nicht-schreiben-Wollen.

Die erste Hürde kam beim Hotel-Check-in. Man schob mir lächelnd ein Formular über den Tresen, und ich hatte den Kuli schon in der Hand, als es mir einfiel: nicht schreiben! Der Rezeptionist schaute verwundert, als ich das Formular erschrocken meinem Herzblatt weiterreichte. So schnell ist man zum Schreiben verführt! Mein Herzblatt seufzte. Ist doch nur ein Formular, brummelte er. Trotzdem. Meine Finger brauchen auch Urlaub!

Obwohl: Es geht ja mehr darum, dem Hirn mal eine Zeitlang keine geschmeidigen Formulierungen abringen zu müssen, und in diese Verlegenheit kommt man beim Formularausfüllen ja nicht. Sehr wohl jedoch, wenn es darum geht, der Lieblingstante und den Eltern Ansichtskarten zu schreiben.

Bei dieser Hürde bin ich gescheitert. Das kannst du deiner Tante nicht antun, dass sie etwas von mir lesen muss, sagt das Herzblatt, du hast immer so gute Ideen. Netter Versuch. Ich will aber nicht schreiben. Doch es half kein Bitten und Betteln. Und bei meinem Kompromissvorschlag, dass er schreibt und ich ihm beim Formulieren helfe, ist mir dann eingefallen, dass ich mir damit selbst ein Ei gelegt habe. Denn das Anstrengende am Schreiben ist ja nicht, den Griffel überes Papier zu führen, sondern gute Ideen zu haben und die richtigen Worte zu finden.

Nächstes Jahr schreibe ich die Urlaubskarten schon vor dem Urlaub, dann brauche ich sie nur noch vor Ort in den Postkasten zu werfen. Denn ab und zu muss sie einfach sein, die Schreibpause!

3 Kommentare

  1. Ich habe sehr schmunzeln müssen 😉
    Bei mir ist es so: Im Urlaub schreibe ich keine „Auftragssachen“, meist mache ich aber etwas an „eigenen Projekten“. Ohne Druck, ganz freiwillig, mit freiem Kopf. Und ich lese auch viel im Urlaub, weil ich da in meinem Alltag viel zu wenig zu komme.

  2. Das habe ich eine zeitlang auch so praktiziert: im Urlaub am Roman schreiben. Ich hatte dazu aber immer weniger Lust. Seitdem denke ich, dass mein Hirn einfach Pause braucht. Und ich denke wirklich immer wieder auch an Lesepausen. Aber da dürfte ich ja nicht einmal die Speisekarte lesen 😉

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