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Wer braucht schon korrekte Rechtschreibung im Business?

Kategorie: Autorenberatung

Mit 1. August 2007 endet die Übergangsfrist für die Einführung der neuen deutschen Rechtschreibung. Doch ist es wirklich sinnvoll, sich an die neuen Regeln zu halten?

An der Schwelle zwischen Sprachverliebtheit und pragmatischem Business-Alltag bin ich oft selber hin- und hergerissen: Muss man wirklich wissen, ob man kennenlernen zusammenschreibt oder getrennt? Stört es tatsächlich den Lesefluss, wenn im Text daß statt dass steht? Die Groß- und Kleinschreibung, die betrachten viele E-Mail-Schreiber/innen ohnehin schon längst als völlig entbehrlich. Angebliche Vereinfachungen der Rechtschreibregeln empfinden viele als verwirrend. Und ob die vertrauliche Briefanrede Du/du nun groß- oder kleingeschrieben wird, ist manchen Schreibern wirklich egal.

Richtig schreiben ist wie deutlich sprechen.
Allerdings eben nur manchen. Denn ich habe viele gerade bei letzterem Thema aufatmen sehen, als man das Du im Brief wieder großschreiben „durfte“. Es sei ein Akt der Höflichkeit und des Respekts, sein Gegenüber mit einem Großbuchstaben zu beehren, sagten sie. Ein gutes Argument. Und vielleicht freuten sie sich ja auch: Wir haben das früher schon so geschrieben – und jetzt sind wir froh, dass zumindest diese kleine Sache beim Alten geblieben ist.

Es ist halt bei diesem Thema nicht anders als bei jeder Veränderung, die uns betrifft. Zuerst sind viele dagegen, manche boykottieren sogar oder iniziieren eine Gegenbewegung, nur um den alten Zustand zu retten. Doch meist siegt ja doch das Neue. Eine Weile noch grummelt es im Untergrund, doch irgendwann verstummen selbst die Widerstandsfähigsten, weil sie sich – ohne das zu wollen – an das Neue gewöhnt haben, weil ihre Mitstreiter abbröckeln und weil es halt einfach anstrengend ist, über Jahre hindurch gegen etwas anzukämpfen, das schon längst Institution geworden ist. Sie werden sehen, in ein paar Jahren wird es uns höchst seltsam erscheinen, ein daß mit scharfem ß zu lesen – so sehr werden wir uns an die neue Rechtschreibung gewöhnt haben.

Rechtschreibung als Dresscode für Texte aller Art.
Mag die eine oder andere Schreibregel vielleicht für manche nicht so wichtig sein, so ist ein gepflegter Umgang mit unserer Sprache auf jeden Fall ein Ausdruck unseres persönlichen Stils und nicht zuletzt auch unserer Wertschätzung dem Empfänger unserer Schriftstücke gegenüber. Wenn Sie es in Ihrer Karriere zu etwas bringen wollen, dann müssen Sie ja auch andere Regeln einhalten – vom Dresscode bis zum Einhalten hierarchischer Wege und Informationskanäle. Warum also nicht auch Schreibregeln, zumal auch dies ein positives Bild auf Sie wirft!

So, wie die Bermuda-Short im Management-Meeting kein Renommee für den Träger / die Trägerin ist, so ist auch das E-Mail in schlechtem Deutsch dem Image des Verfassers nicht gerade zuträglich. Wenn Sie von einer Firma einen Werbefolder bekommen, der ganz zerknittert ist und Spuren eines Kaffeehäferls aufweist, werden Sie die Nase rümpfen. Bei einer ramponierten Rechtschreibung ist das nicht anders. Der Empfänger eines Schriftstückes stolpert beim Lesen, wenn die Rechtschreibung nicht stimmt: weil ein fehlender Beistrich den Sinn des Satzes nicht gleich erkennen lässt oder weil er wegen mangelnder Groß- und Kleinschreibung rätseln muss, worum es gerade geht. Beim Lesen stolpern, das heißt, doppelt lesen zu müssen – das wiederum kostet Zeit, und Zeit ist knapp, wenn in der E-Mailbox noch andere 50 Mails auf Bearbeitung warten … 

Mit 1. August 2007 jedenfalls gibt die alte Rechtschreibung nun endgültig das Zepter an die neue Rechtschreibung ab. Die Übergangsfrist, wo noch beide Regelwerke verwendet werden konnten, gehört nun der Vergangenheit an. Wir werden ja sehen, wie lange es dauert, bis auch der letzte Verlag seine Bücher nach den neuen Regeln schreibt und bis der Widerstand beim Umlernen versiegt. Die, die die neue Rechtschreibung jetzt schon beherrschen, haben jedenfalls die Nase vorn!

Herzlichst,
Ihre Daniela Pucher

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