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Chill-out-Zone

Kategorie: Ansichtssache

Die Zeit zwischen dem letzten Weihnachtsfeiertag und Silvester: Da ist dieses plötzliche Fehlen von Lärm und Geschäftigkeit, kein Rummel auf den Straßen mehr, keine blinkenden Girlanden, keine familiären Fressorgien. Mit einem Mal – für ein paar Tage nur – ist alles ruhig, als ob man eine schalldichte Tür hinter sich geschlossen hätte.

Dann kehrt Ruhe ein. Plötzlich hat man Zeit. Endlich Zeit für … ja wofür eigentlich?

Was tun Sie, wenn Sie Zeit für sich haben? Faul herumsitzen? Spazieren gehen?  Vor sich hinträumen? Oder doch lieber Powerwalking, rechtzeitig vor dem Jahreswechsel die Vorhänge waschen, endlich den Haushalt wieder auf Vordermann bringen und den tropfenden Wasserhahn reparieren, sich weiterbilden, ein Fachbuch lesen, eine herausfordernde Bergtour machen oder zumindest im Fitness-Center Feiertagskalorien abarbeiten?

Ja, es sitzt uns tief in den Knochen, das Streben nach Leistung, nach einer sinnvollen, »vernünftigen« Beschäftigung. Es wäre doch schade um die Zeit, das haben die meisten von uns so gelernt. Denn »Müßiggang ist aller Laster Anfang« stand schon über Omas Küchentür und »Carpe diem!« schwebt über unseren Häuptern und erinnert uns stets daran, dass man sich das Leben erst einmal verdienen muss, um es zu genießen. Auf die Art »gut erzogen« sind wir selbst in unserer Freizeit oft genug Getriebene, ohne uns dessen überhaupt bewusst zu sein. Denn wir wissen, was in unserer Gesellschaft wünschenswert und angesehen ist und was nicht.

Unglücklicherweise ist unserer Gesellschaft im Laufe ihrer Entwicklung einiges an gesundem Verhalten abhanden gekommen. Im ewigen Streben nach mehr – mehr Geld, mehr Wissen, mehr Einfluss, mehr Wohlstand – haben wir verlernt, regelmäßig innezuhalten und die Essenz unseres Lebens zu spüren: das Einfache, Elementare, Lebendige, Natürliche.

Es ist wohl kein Zufall, dass Zukunftsforscher einen neuen Trend ausmachen wollen: den Simplify-Trend. Simply living hat nichts mit Askese zu tun, mit dem Verzicht allen Genusses. Es liegt ihm auch keine »Geiz-ist-geil«-Mentalität zugrunde. Es ist vielmehr die Sehnsucht nach mehr Lebensqualität.

Nach mehreren Jahrzehnten stets steigendem Wohlstand sind wir offenbar dabei zu lernen, dass die Wurzeln einer echten Lebensqualität anderswo zu suchen sind als in der Geldbörse. Glücksforscher bestätigen: Ab einem Jahreseinkommen von 15.000 Euro stagniert das Glücksempfinden.

Wenn also die nächste Gehaltserhöhung, der neueste Plasma-Flachbildfernseher und die noch schönere Bluse vom italienischen Designer uns bestenfalls kurzfristig glücklich machen, was ist es dann? Wie können wir das Fundament unserer Lebensqualität tiefer bauen?

Der Brockhaus definiert »Muße« als »tätiges Nichtstun, als eine Form schöpferischer Verwendung von Freizeit, unabhängig von Zwängen durch fremdbestimmte Arbeit, unabhängig von  Forderungen der Gesellschaft, aber auch von Konsumzwängen«. Muße, das ist ein Zustand heiterer Ruhe, auf den erst neue Ideen und Taten folgen können.

Doch dieses »tätige Nichtstun« klingt einfacher als es ist. Für viele Menschen ist die Begegnung mit ihrer eigenen Innenwelt eine Überforderung, sie haben nie gelernt, sich mit sich selbst zu beschäftigen und empfinden Zeiten der Untätigkeit als tiefes Loch, als bedrohliche Leere, die sie nicht zu füllen imstande sind.

Wer Omas Spruch ersetzt durch »Die Muße ist die Schwester der Freiheit«, ist auf dem richtigen Weg. Denn wer sich selbst begegnet und erkennt, was ihm wirklich wichtig ist, was er gerne tut und was ihn erfüllt, kann sein Leben sinnvoll gestalten. Er leistet damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Selbstverwirklichung, sondern auch zu seiner psychischen und physischen Gesundheit.

Übrigens: Die viel zitierten fleißigen Bienen verbringen nur 30 % ihrer Zeit damit, Blütennektar zu sammeln. Ansonsten machen sie es sich im Stock gemütlich. Und die emsigen Ameisen? Die liegen gar 78 % ihrer Zeit auf der faulen Haut!

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen schöne Festtage und viel Gelegenheit zum Faulsein und Mußetun. Damit Sie das neue Jahr so gestalten können, wie es Ihrer Persönlichkeit und Ihren Bedürfnissen entspricht. 

Herzlichst, Ihre Daniela Pucher


1 Kommentar

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