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Der Ernst des Lebens

Kategorie: Ansichtssache

Lernen oder Spielen. Oder?

Seit ihrem sechsten Geburtstag blickt Laura mit skeptischem Blick auf die Erwachsenen. Im Herbst beginnt der Ernst des Lebens, sagt man ihr mit hochgezogenen Augenbrauen und ernstem Gesicht. Laura weiß nicht so recht.

Sie wird weniger spielen können, sagt die Mutter. Weil in der Schule muss man lernen, da darf man nicht spielen. Und so lernt Laura, dass Spielen und Lernen zwei konträre Dinge sind. Und wenn Spielen Spaß macht, dann macht Lernen … na ja – wohl keinen Spaß!?

Lernen mit Spaßfaktor

Als ob Spielen und Lernen ein so großer Widerspruch wären! Spielen wird leider oft als harmlos, kurzweilig und vor allem unnütz abgetan. Kinder, gut, die dürfen noch spielen und da hat es ja auch noch Sinn.

Aber spätestens im Teenager-Alter hat Spielen immer weniger Platz. Da spielt man am besten gar nicht, um nicht als kindisch dazustehen. Und später spielen wir bestenfalls Trivial Pursuit, denn das ist ein Erwachsenenspiel, da muss man etwas wissen und man kann auch etwas lernen und das ist nicht unnütz, nicht wahr!

Aber kreative Spiele? Ausgelassenheit? Die werden als kindisch abgetan. Rollenspiele etwa – erinnern Sie sich noch? Räuber und Gendarm oder Vater, Mutter, Kind – wie haben wir das mit Hingabe gespielt! Doch kaum schlägt die Pubertät mit all ihren Tabus und der Abgrenzungsthematik zu, sind Rollenspiele unmöglich, also wirklich!

Rollenspiele begleiten uns ein Leben lang

Später, wenn wir »vernünftig« sind, machen wir wieder mit bei diversen Rollenspielen – allerdings nur, wenn das ernsthafte Lernen dabei im Vordergrund steht (wie sollte es anders sein J), Unternehmens-Planspiele oder Rollenspiele in Kommunikationstrainings etwa. Es fällt uns zwar schwer, weil es uns peinlich ist (schließlich haben wir ja in der Schule gelernt, dass man etwas falsch machen kann und durchfällt), aber wir zwingen uns dazu – wir müssen ja etwas lernen, da haben Freude und Gelassenheit sowieso Sendepause.

Andererseits aber faszinieren uns Rollenspiele, auch wenn wir sie vorzugsweise hinter eine Mattscheibe verbannen. Denken Sie nur an die vielen Fernsehfilme, in denen Gut und Böse gegenüber gestellt werden. Man kann dabei – ganz heimlich – sogar in die Rolle des Bösen schlüpfen, nur so rein theoretisch. Toll!

Oder die vielen Computerspiele, in denen wir Abenteuer bestehen oder Fantasiewelten begehen – immer in unterschiedlichen Rollen: Gute, Böse, Weise, was auch immer. Auch Strategiespiele ermöglichen es uns auszuprobieren, wie es sich in einer bestimmten Rolle so lebt. »Die Sims«, falls Sie dieses Computerspiel kennen, ist ein gutes Beispiel dafür. Hier können wir ausprobieren, wie es denn so wäre, in einer Luxusvilla zu leben. Oder fünf Kinder zu haben.

Schade, dass wir gelernt haben, Lernen und Spielen so sehr voneinander zu trennen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir viele Herausforderungen viel leichter und besser meistern könnten, würden wir sie spielerischer angehen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Herzlichst, Ihre Daniela Pucher


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