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Kreativität, Teil 1

Kategorie: Ansichtssache

Eine Bestandsaufnahme

Zugegeben: Kreativität ist schon fast so etwas wie ein Modewort. Und das macht mich immer ein bisschen skeptisch. Warum ich dann trotzdem einen Newsletter zu diesem Thema – noch dazu mit Fortsetzung – schreibe? Weil ein kritischer Blick nicht schaden kann. Und weil Kreativität ja tatsächlich Sinn macht!

Haben Sie schon einmal in den Buchhandlungen gestöbert? Unglaublich groß ist das Angebot an einschlägigen Ratgebern und groß auch das Fragezeichen in den Köpfen der Kunden: Welches nehmen? Die Schlagwortsuche in einem der großen Buch-Online-Shops ergibt sagenhafte 1.280 Bücher zum Thema Kreativität. Und das Internet findet gar an die 750.000 Einträge im deutschsprachigen Raum. Ein echter Knüller! Und wenn man von den Gesetzen der freien Marktwirtschaft ausgeht, muss man schon feststellen: Offenbar ist die Sehnsucht nach Kreativität sehr groß. Doch eine Frage ist auch berechtigt: Bringen Bücher und Online-Ratgeber uns wirklich bei, kreativ zu sein? Kreativität ist doch nichts, das man einfach auswendig lernt und dann kann man’s!

Da scheinen Workshops schon ein wenig besser, denn im Seminarraum entdeckt man seine Kreativität wenigstens durch Ausprobieren. Und wird angeregt, es im Büro zu versuchen. Doch genau da sind den Trainings Grenzen gesetzt. Ist es nicht vermessen zu glauben, ein Trainer könne Mitarbeiter in zwei Tagen dazu bringen etwas zu tun, was Führungskräfte über Monate und Jahre nicht schaffen? Ob man in der Arbeit kreativ ist oder nicht, das ist eine Frage der Unternehmenskultur. Kreativität entsteht nicht auf Befehl, sondern nur bei Vorhandensein entsprechender Rahmenbedingungen.

Denn – um mit einem Mythos ein wenig aufzuräumen – Kreativität ist nicht das Privileg von ein paar Auserwählten, sie steckt in jedem von uns. Beim einen mehr, beim andern vielleicht weniger, aber sie ist vorhanden. Jeder Mensch, der sein Kind großzieht, ist kreativ. Jede Frau, die ein Projekt organisiert, jeder Buchhalter, der Zahlungstermine einhalten muss. Kreativität hat viele Gesichter. Sie ist eine natürliche Eigenschaft, die lediglich darauf wartet, angezapft zu werden. Wie sagte Stephen Baker, ein amerikanischer Psychologe? »Kreativität ist wirklich nichts unfassbar Schwieriges oder Geheimnisvolles […] Jeder, der denken kann, ist auch fähig, Ideen zu haben.« So einfach ist das.

In einem scheinen sich jedoch Wirtschaft und Skeptiker einig zu sein: Mehr denn je brauchen wir unsere Kreativität, denn ohne ihr wäre alles im Stillstand. Es gäbe keine neuen Ideen, keine Innovationen, keine Ziele, die wir anstreben wollten und damit auch keine Motivation und Freude daran, uns weiterzuentwickeln. Stillstand eben. Wer will das schon? Sie etwa? Na eben. Fangen wir also an mit der Arbeit: Vorurteile aus dem Weg räumen und Blockaden abbauen. Kultur schaffen und Vorbild sein. Anderen beim Kreativsein wohlwollend zuschauen und mit Freude selbst gestalten.

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