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Schlafen ist merk-würdig

Kategorie: Ansichtssache

Wie man beim Schlafen lernt

In den Polster kuscheln und die Decke über die Ohren ziehen. Augen zu und ein paar Stunden Aus-Zeit von der Realität nehmen. Genug gearbeitet, genug Sinnvolles getan. Hirn ausgeschaltet, genug gelernt.

Haben Sie gedacht! Tatsächlich aber fängt es in gewisser Weise jetzt erst so richtig an! Nämlich jener Prozess, der Ihre Merkfähigkeit erhöht. Denn während Sie selig schlummern, arbeitet Ihr Gehirn auf Hochtouren und verarbeitet, was Sie tagsüber erlebt und gelernt haben.

Seit einigen Jahren studieren Schlafforscher den Zusammenhang zwischen Schlaf und Gedächtnisleistung. Wie bei allem, was mit dem Gehirn zusammenhängt, weiß man sicher noch lange nicht alles. Doch es gibt bereits einige merk-würdige Erkenntnisse.

Gute Nacht, ich geh jetzt lernen

Nehmen wir einmal an, Sie gehen um 23 Uhr schlafen. Kurz vor Mitternacht sind Sie bereits im Tiefschlaf und so etwa ab halb zwei Uhr gleiten Sie in den Traumschlaf über. Und um sieben läutet der Wecker (oje!). Den Traumschlaf nennen die Fachleute auch REM-Schlaf, vielleicht haben Sie schon davon gehört („rapid eye movement“).

Viele Untersuchungen haben nun ergeben, dass der REM-Schlaf das Erinnerungsvermögen verbessert. Wenn wir etwas Schwieriges lernen müssen, verlängert sich die REM-Phase deutlich. Informationen werden verarbeitet, mit bereits vorhandenem Wissen verknüpft und verankert. Nur so können wir sie später wieder abrufen. Erst wenn wir das neu Gelernte routiniert erledigen können, verkürzt sich diese Schlafphase wieder. Fällt jedoch der REM-Schlaf völlig weg, so verschlechtert sich das Erinnerungsvermögen beträchtlich und man hat nur sehr wenig gelernt.

Auch im Tiefschlaf festigen sich Gedächtnisinhalte. Man nimmt an, dass im Tiefschlaf die unbewussten Informationen und Erfahrungen gefestigt werden und im Traumschlaf die bewussten. Aber so ganz genau weiß man das noch nicht.

Ist ja auch nicht so wichtig, wann genau im Hirn was passiert – zumindest für uns, die wir tagtäglich mit neuem Wissen gespeist werden und neue Herausforderungen meistern müssen. Wichtig ist: Holen Sie sich um Ihrer Karriere Willen ausreichend Schlaf!

Keine Zeit zu verlieren – vor allem nicht die erste Nacht

Unser Gehirn verliert also wirklich keine Zeit und arbeitet rund um die Uhr. Wie praktisch! Und welch geniale Einrichtung der Natur. Wir gehen schlafen – und unser Hirn lernt.

Allerdings sollten Sie dafür sorgen, dass Sie gleich in der ersten Nacht nach dem Seminar oder nach einem entscheidenden, inhaltsreichen Meeting viel Schlaf bekommen. Vergessen Sie es also, sich im Seminarhotel an der Bar mit Kollegen die Nacht um die Ohren zu schlagen. Schauen Sie kurz vorbei (das brauchen Sie für Ihr Image und fürs Networking) und gehen Sie dann mit Ihrem neu erworbenen Wissen ins Bett.

Untersuchungen haben ergeben, dass die Merkfähigkeit sich Nacht für Nacht verbessert, auch wenn dazwischen nicht mehr gelernt wird. Schläft man in der ersten Nacht nicht, so ist das Merkvermögen nur etwas mehr als ein Zehntel!

Schlafmützen

So, jetzt wissen Sie, warum Studenten so viel schlafen – weil sie viel lernen müssen :-). Ob allerdings der Büroschlaf durch diese Erkenntnisse endlich zu seiner wohlverdienten Legitimation kommt, sei dahingestellt. Trotzdem empfehle ich Ihnen jetzt eine Mütze Schlaf oder noch besser zwei, damit Sie das soeben Gelesene gut behalten können.

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