Seite auswählen

Die Leichtigkeit des Schreibens

Kategorie: Ansichtssache

Von schweren Wortlawinen und verständlichen Texten

Kürzlich flatterte ein Pressebericht auf meinen Schreibtisch mit der Überschrift „Software für verständlichere Geschäftsberichte“ – eine Software, die ähnlich wie die Rechtschreibprüfung im PC funktioniert. Verständliche Geschäftsberichte? Ich bin beeindruckt. Keine komplizierten Sätze? Kein wichtiger Fachjargon? Klare Aussagen? Whow! Welch hehres Ziel. Schön, dass ich nicht allein bin mit meinem persönlichen Anliegen: Die Wirtschaft mit einfachen und klar verständlichen Texten ein wenig freundlicher zu machen.

Als die Sprache laufen lernte

NeandertalerDenn die Sprache ist eine ganz wunderbare und sehr praktische Erfin­dung. Wir Men­schen haben vor vielen Tausend Jahren begonnen, einfache, einsilbige Laute nach und nach weiterzuentwickeln. Wir waren dabei sehr kreativ und haben viele Wörter erfunden und sie verbreitet, um nicht nur überlebenswichtige Informationen wie „Gefahr“, „Hunger“ oder „Aggression“ auszudrücken, sondern uns noch viel konkreter mitzuteilen.

Heute gibt es eine Vielzahl von Wörtern. Man schätzt die Zahl der Sprachen auf der Erde zwischen 2.500 und 5.500 ein. So genau lässt sich das offenbar aufgrund der Abgrenzung zu den Dialekten nicht feststellen. Allein die deutsche Sprache bietet uns mehr als 200.000 verschiedene Begriffe. Was schätzen Sie, wieviele davon Sie aktiv nutzen? Ich verrate es Ihnen: im Durchschnitt hat ein Erwachsener einen aktiven Wortschatz von 8.000 bis 16.000 Begriffen – je nach Herkunft, Bildung und laufender Verwendung. Und Ihr passiver Wortschatz, also inklusive aller Worte, die Sie nicht verwenden, aber verstehen? Das sind 94.000.

Einfache Worte können doch nicht schwierig sein!

Man nehme ein paar einfache Wörter und kombiniere sie – das klingt doch gar nicht so schwierig. Trotzdem gibt es Gruppen von Menschen, die ganz besonders gerne der Kompliziertheit huldigen: manche Akademiker, Wirtschafter, Ärzte, Juristen, Wissenschafter und andere. (Nicht alle, wohlgemerkt. Aber die Tendenz ist eindeutig.) Auffällig ist außerdem, dass deutsche Fachbücher viel schwerer lesbar sind als beispielsweise amerikanische.

„Wer eine Menge großer Worte
gebraucht, will nicht informieren,
sondern imponieren.“

(Oskar von Miller)

Man könnte meinen, es liege dem Autor nicht so sehr daran, seinem Zielpublikum etwas verständlich zu machen. Vielmehr wälzt er gewichtige, fette Worthülsen und mächtige Satzkonstellationen über’s Papier – froh, seine Meinung so fachmännisch wie möglich zum Ausdruck gebracht zu haben. Ist es Wichtigtuerei? Ist es Verschleierungstaktik? Nun, dem verärgerten Leser mag es oft so vorkommen und im Einzelfall kann das vielleicht sogar stimmen (zum Beispiel – wie oben in der Presseaussendung – in einem Geschäftsbericht). Aber zum Glück nicht immer.

Die Gunst des Lesers

BuecherstapelViel mehr liegt es häufig daran, dass sich der Schreibende nicht ausreichend an seiner Leserschaft orientiert – oder weiß er vielleicht gar nicht, was wirklich gefragt ist? Der Leser will – unabhängig von seinem Bildungsniveau – nur eines: er will sich nicht anstrengen müssen. Er will rasch und unkompliziert zu seinen Informationen kommen. Er hat ohnehin schon so viel zu tun. Und täglich wartet eine ganze Lawine an eMails und sonstiger Geschäftskorrespondenz, die er lesen muss. Nur zu verständlich, wenn er sich dann über die schwer verdaulichen Passagen drüberschwindelt und gar nicht erst versucht zu verstehen. Viel zu anstrengend.

Das wiederum kann doch dem Schreiberling nicht gefallen! Denn er hat ja etwas Wichtiges zu sagen! Also: einfache Worte, kurze Sätze, klare Botschaften, gute Struktur – das ist die Devise. Damit können Sie beeindrucken.

Wer weiß das besser als Josef Pulitzer, der da sagte:

„Schreibe kurz – und sie werden es lesen.
Schreibe klar – und sie werden es verstehen.
Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“

Was sagen Sie?

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Erforderliche Felder sind markiert mit *.