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Nicht-Wissen macht klug

Kategorie: Ansichtssache

Der Kampf gegen die Allwissenheit

Sie kennen das sicher: Es ist Montag Vormittag und Sie sitzen im Team-Meeting. Ihr Boss erzählt über den interessanten Zeitungsartikel vom vergangenen Wochenende und will mit Ihnen und Ihren Kollegen darüber diskutieren.

Sie haben das Wochenende faul auf der Sonnenterrasse verbracht, und der Wirtschaftsteil war Ihnen wieder einmal zu anstrengend. Und jetzt sitzen Sie ahnungslos in der Runde und wagen nicht zu fragen. Verdammt. Was tun? 

Ich wette, die meisten von Ihnen setzen ihr wichtigstes Experten-Gesicht auf, nicken hin und wieder bedächtig oder seufzen vielsagend, um die Tragweite dieses Ihnen völlig schleierhaften Problems zu würdigen. Und versuchen krampfhaft, aus den kryptischen Sätzen der anderen herauszufinden, worum es geht. 

Nach dem Meeting werden Sie vermutlich den Zeitungsberg beim Kundenempfang durchstöbern (aber nur, wenn es keiner merkt), sich ins Internet hängen – und wenn das alles nichts hilft, ziehen Sie die Frau oder den Mann Ihres absoluten Vertrauens telefonisch zu Rate. Wenn Sie Glück haben, können Sie Ihre Wissenslücke füllen. Wenn Sie Glück haben. 

Wenn nicht, haben Sie eine Gelegenheit verpasst, sich auf ganz einfachem Weg Wissen anzueignen: durch Fragen. Was wäre denn schon dabei gewesen, im Meeting einfach nachzuhaken? Undenkbar, sagen Sie? Sie würden sich damit eine Blöße geben? Wären von nun an als Unwissender gebrandmarkt? 

Nun, das ist verständlich. Wir alle fühlen mit Ihnen. Denn wir alle haben offenbar gelernt, dass man seine Unwissenheit preisgibt, wenn man fragt. In der Volksschule sind wir von den Klassenkameraden für eine „dumme“ Frage ausgelacht worden. Die Eltern hat es genervt, wenn wir zu viele Fragen gestellt haben. In der Oberstufe war es un-cool, wenn man überhaupt Interesse gezeigt hat. Und vielleicht sind es die Allmachtsfantasien, die uns glauben lassen, es gäbe Menschen, die bereits alles wissen. 

Die Grundlage jedes Lernens ist die Frage. Wo es keine Fragen gibt, gibt es auch keine Weiterentwicklung. Hätte Einstein nicht viele verrückte Fragen gestellt, gäbe es keine Relativitätstheorie und er wäre nie als Genie anerkannt worden. Wenn Sie Ihre Kunden nicht fragen, was sie brauchen, werden Sie keine guten Geschäfte machen. Wenn Sie nie fragen, was Sie schon immer wissen wollten, werden Sie es nie erfahren!

Natürlich, Sie können viel Wissen auch durch Lesen oder durch Nachdenken im stillen Kämmerlein erwerben. Einfacher und fast immer rascher kommen Sie mit Fragen an Ihr Ziel. Das hat nicht nur den Vorteil, dass Sie aus dem Wissensschatz des anderen sofort eine Antwort bekommen. Sie können sich gleichzeitig mit ihm darüber austauschen und so Ihr eben erworbenes Wissen festigen.  

Noch einen Vorteil hat die spontane Frage: Sie wird zu dem Zeitpunkt gestellt, wo es gerade brisiert, gerade diese eine Sache zu erfahren. Damit kommen Sie nicht nur rascher an Ihr Ziel, Sie können das soeben Gelernte gleich praktisch anwenden. Ihr Wissen hat gar keine Chance mehr, nach kurzer Zeit wieder zu verschwinden. 

Sie sehen also: Etwas nicht zu wissen macht klug – sofern man Fragen stellt. Nur wer zu seiner Wissenslücke steht, lernt aktiv und rasch Neues dazu. Der Glaubenssatz: «Wer fragt, ist unwissend», sollte also besser neu geschrieben werden: «Wer fragt, ist neugierig und interressiert». Und kommt im Leben leichter weiter.

2 Kommentare

  1. You actually make it seem so easy with your presentation but I find this matter to be actually something which I think I would never understand. It seems too complicated and very broad for me. I am looking forward for your next post, I will try to get the hang of it!

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